Schwangersein in freudiger ErWARTung

Januar 8th, 2012

Ja, wie ist Schwangerschaft denn nun, abgesehen von all den neuen Gedanken und Emotionen? Für mich waren die ersten Wochen geprägt von einer Wartehaltung: 1. mal abwarten, ob die ersten 12 Wochen glimpflich verlaufen. So lange war die Schwangerschaft ein süßes, kleines Geheimnis zwischen mir und meinem Freund. Und das haben wir auch genossen. Dann der große Showdown. Grad beim ersten Kind und wenn nicht Gott und die Welt in die Familienplaung eingebunden war, ist es wohl besonders aufregend die Bombe platzen zu lassen und all die überraschten Reaktionen zu empfangen. Ich liebe ja Überraschungen! Und Vorfreude.

Phase 2: die Welt weiß ob der freudigen Erwartungen, von Euphorie bis Misstrauen kann alles auf Dich eingeregnet sein, aber nun teilst Du Deine Emotionen auf jeden Fall mit einigen  neugierigen Mitfieberern. Besonder interessiert scheinen die Kinderlosen.
Das Warten geht also weiter: Darauf zu erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Und ich fand schon, dass die Gewissheit den “emotionalen Bezug zu meinem Bauch” etwas konkretisiert hat. Nun weiß ich wen ich ansprechen kann, kann konkretere Zukunftsbilder spinnen. Es macht ja schon einen Unterschied, ob man einen kleinen Haudegen oder eine zarte Prinzessin erwartet. Oder auch nur vorzuhaben sich nen gender klassischen Wikinger oder ne Ballerina groß zu ziehen. (Habt ihr von der Engländerin gehört, die ihr Kind genderlos erzieht und lange auch ihren Eltern verheimlicht hat, was es denn ist? Man kann es wirklich auch übertreiben mit den Gedanken, Erwartungen und Befürchtungen, die man um das Kind spinnt.) Ich und alle um mich wussten nun also, dass wir einen kleinen Jungen erwarten. Ich war aber immernoch im Wartehaltung. Wartete nun darauf, dass die Schwangerschaft klar sichtbar wird. Irgendwie fühlte ich mich erst so richtig schwanger, als man es mir auch schon ein wenig ansehen konnte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keine deutlichen Nebenwirkungen hatte, die mir jeden Tag vor Augen hielten: “Pfuibah, oder gähn,  ich bin Schwanger!”. Kein Hormonflash, kaum mal Übelkeit oder sonstige sich gravierend äußernden Symptome.

Dann wuchs das Bäuchlein langsam, das war so ziemlich zu der Zeit, die von allen Seiten immer als die schönste Phase in der Schwangerschaft beschrieben wird: das 2. Drittel. Wir fuhren noch einmal in einen entspannten Urlaub zu zweit, genossen unsere Freiheit beim Rollerfahren, Sightseeing, Essen gehen, und ich freute mich still und heimlich darüber am Strand rumzuliegen, ohne einen Gedanken ans Baucheinziehen zu verschwenden. Dann waren auch die ersten Kindbewegungen für meinen  Freund zu spüren (ca. 21.Woche), und ja, jetzt wurde es langsam real. Phase 3.

Dann begann langsam die Planung der Geburtsvorbereitung, Phase 4: ein neuer Yogakurs musste gefunden werden, ich verspürte große Lust danach andere werdende Mamas kennen zu lernen und  mich mit ihnen auszutauschen, wann mache ich ne Geburtsvorbereitungskurs und wo. Gar nicht so einfach, jemanden auf der eigenen Wellenlänge zu finden, dann auch noch in einem Kurs zu landen, der den eigenen Ansprüchen gerecht wird und sich zeitlich gut in den Alltag einbinden lässt. Aber dass da bald eine Geburt bevorsteht, der Gedanke war immernoch ziemlich weit weg., Und mir viel es lange schwer mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, es interessierte mich schlichtweg noch nicht.

Phase 5: Worauf wartete ich jetzt? Eigentlich auf nix mehr, ich genieße (und glücklicher Weise lässt mir meine “happy preppy-Schwangerschaft” genug Gelegenheit dafür!). Ich freute mich auf die zunehmende Gemütlichkeit, die ich mir vom wachsenden Bauchumfang versprach. Einen Gang runter zu schalten, was sehr gut in die gemütliche Jahreszeit fiel, und begann langsam alle Sachen zusammen zu sammeln. Nicht nur Wickeltisch und Tragetuch, sondern auch Elterngeldantrag und Sorgerechtserklärung (sollte man als unverheiratetes Paar beim Jungendamt anmelden).
Nun wurden auch andere Bücher interessant: die selbstbestimmte Geburt, wie verändert sich die Partnerschaft nach der Geburt, und überhaupt, was passiert mit mir und meinem Körper bei und nach der Geburt.
Als ich überhaupt noch nicht wusste, dass ich schwanger war, bin ich einmal im Bus ohnmächtig geworden, während ich nen Artikel in der Apothekenzeitschrift über das Wochenbett las.
Nun war die Zeit gekommen, sich dem Schrecken noch einmal zu stellen, und ach, so schrecklich scheint er gar nicht mehr. Neun Monate sind tatsächlich auch eine sinnvolle psychische Vorbereitungszeit, um sich dem ganzen Thema zu nähern. Um Ängste zu erkennen, sich mit ihnen auseinander zu setzen, mitd seinem Partner auzutauschen und ranzutasten an ein Thema, das dann trotzdem noch total abstrakt ist: Wer kann sich schon vorstellen, wie es dann wirklich ist, wenn der Wurm dann auch einmal neben dem Bauch strampelt und es darin auf einmal ruhig ist. Abgefahren!

Dann warteten wir auf’s Christkind und erklärten unserem Kind, dass wir keinen Wert darauf legen die Jesusgeschichte nachzuspielen. Auch Silvester sei leider schon verplant, die unpässlichen Geburtstermine 31.12. und 1.1. solle er bitte nicht in Erwägung ziehen.

Er scheint ein guter Junge zu sein, und bis jetzt ganz gut auf Mama zu hören. “Hörst Du, das machst Du prima, so kannst Du das eigentlich die nächsten 18 Jahre beibehalten!”

Naja, aber irgendwie wird es langsam dann doch auch langweilig, das Warten oder Nichtwarten. Wir waren in der letzten Zeit überdurchschnittlich oft im Kino, haben viele Restaurants besucht, in die wir schon immer wollten, die aktuell interessanten Ausstellungen werden auch bald rar. So ein kleiner Querschuss, eine Überraschung, wie ich schon erwähnte liebe ich Überraschungen, wäre jetzt auch ganz nett.
… Denn eigentlich wünsche ich mir ja nen kleinen Rotzlöffel, deren Lieblingsspeise Quatsch mit Soße ist, einen wilden Cowboy mit dem ich auf die Pirsch gehen kann und… das wird wohl alles noch ein wenig dauern.
Das sag ich jetzt in der Euphorie der freudigen Erwartungen. Ihr werden hören, wie meine Realität nachher zu euch spricht.


Das Warten geht weiter – doch, man kann es getrost so nennen, denn Vorfreude ist schließlich die schönste Freude -  nicht ohne den Moment, das Hier und Jetzt und das Glück des Augenblicks zu genießen.

Und jetzt nicht den ersten, späten Kaffee kalt werden lassen, das Frühstück im Bett wurde grad serviert. Der Tag hat ja schon lange genug auf mich gewartet!


Euch allen einen wundervollen Jahresanfang, eure Nina.

 

Eine Trageberaterin antwortet zum Thema Tragen im Winter

Dezember 21st, 2011

Wie trage ich mein Baby im Winter? Über der Jacke, unter der Jacke? Ich habe Angst, dass die raushängenden Füßchen zu kalt werden. Ist es dem Baby warm genug in der Trage?

Wer schon Mal einen Kinderwagen in hohen Schneebergen geschoben hat und dabei sowohl Muskelkraft wie auch gymnastische Geschicklichkeit beweisen musste, weiß, dass ein Baby im Winter zu tragen nicht nur eine Frage der Bedürfnisbefriedigung des Babys ist, sondern ebenfalls einen praktischen Nutzen aufweist. „Nur wie sollte man es genau machen?“ fragen sich viele Mütter?  Wer soll wie angezogen werden? Über oder unter der Jacke?

Kleine Babys sollten im Winter grundsätzlich unter der Jacke getragen werden. Also das Baby so anziehen, wie man sich selbst unter einer Winterjacke anziehen würde und  zusätzlich noch warme Wollsöckchen. Man darf  nicht vergessen, dass das Baby die Körperwärme des Tragenden mit bekommt und daher sollte man es nie zu warm anziehen. Am besten zieht man das Kind nach dem Zwiebelprinzip – d.h. mehrere Schichten Kleidung -  an. Unter der Jacke sollten diese Schichten jeweils nicht zu dick sein. Natürlich sollten aber  eine warme Mütze und ein Schal nicht fehlen.

Hat man vor, das Baby viel und oft zu tragen, macht es Sinn, über eine Anschaffung von einer speziellen Jacke nachzudenken. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Tragejacken, Trageponchos  und sogar schicken Tragemänteln auf dem Markt. Diese findet man in unterschiedlichen Farben und Schnitten und man kann die meisten sowohl für die Bauch- als auch für die Rückentrage nehmen. Praktisch ist, dass einige davon auch schon in der Schwangerschaft und darüber hinaus ohne Kind am Körper getragen werden können.

Falls die vorgefertigten Tragejacken doch nicht nach dem Geschmack der Mutter sind, kann man sich mit einer größeren „normalen“ Jacke aushelfen. Das Problem mit der Lücke zwischen Baby und dem Hals des Tragenden ist sehr erfolgreich mit einem sogenannten Trageschal BABYWEARING DICKEY – eine geniale Erfindung aus Finnland -  lösbar. Dabei brauchen sowohl das Baby als auch der Tragende keinen zusätzlichen Schal und die Babys können sowohl vorne als auch hinten auf dem Rücken getragen werden ohne dass die Mutter oder der Vater viel Geld für eine Tragejacke ausgeben oder  Kälte aushalten müssen.

Es gibt noch weitere nette Hilfsmittel: beispielsweise ein Tragecover. Dieses kann man bei Babys nehmen, die vorne  unter einer normalen Jacke getragen werden sollten, aber wo die Jacke sich nicht komplett zu machen lässt. In dem Fall schütz das Tragecover das Baby vor der Kälte.

Generell gilt, je kleiner das Baby, desto mehr sollte man es vor der Kälte schützen, d.h. immer unter einer Jacke oder in einem Tragecover. Größere Babys oder schon laufende Kleinkinder, die ab und zu zum Ausruhen oder zum Mittagschlaf getragen werden, können bei nicht zu kaltem Wetter auch außerhalb der Jacke der Eltern getragen werden. Hier muss man immer darauf achten, dass das Kind selbst wintergerecht angezogen ist, da es ja nicht zusätzlich von der Körperwärme des Tragenden profitieren kann.  Auch hier kann man ein Tragecover benutzen.

Aira, Trage- und Stillberaterin

Das Geheimnis der ersten 9 Monate – die embryonale, emotionale Entwicklung

November 30th, 2011

Schwanger sein ist für jeden anders. Schon ab der ersten Erkenntnis empfindet jeder das Glück auf seine Weise.
Und ich gehe jetzt einfach mal von dem Fall aus, dass es als Glück empfunden und als solches geteilt wird. Da fängt die Beziehung zu Deinem Baby ja schon an: wie wir als werdende Mütter, und natürlich auch die werdenden Väter die frohe Nachricht in Empfang nehmen und wie wir sie in unsere Gedankenwelt integrieren, beeinflusst die Entwicklung des Embryos. Ist das wirklich so?

Inwiefern nehmen Verlauf der Schwangerschaft und unsere Emotionen Einfluss auf den Embryo?
Habe ich mich gefragt und begonnen zu recherchieren.
Wir teilen ja wirklich alles: die Nahrung, die Hormone, die Achterbahn fahren und all unsere Empfindungen.  iIch als Mutter fühle mich durch dieses heranwachsende Kind sehr beeinflusst, aber wie stark funktioniert das in die andere Richtung tatsächlich?

Antworten auf diese und ähnliche Fragen fand ich bei einem meiner liebsten Wissenschaftler, Gerald Hüther. Er hat ein empfehlenswertes Buch zu diesem Thema geschrieben: Das Geheimnis der ersten neun Monate – unsere frühen Prägungen.

 

Mich hat die Frage besonders interessiert, wann und wie sich die Gefühle des Embryos entwickeln. Und wie sehr äußere Einflüsse auf diese Entwicklung einwirken?

 

Die erste Nachricht dazu, die mich wirklich mitgenommen hat war, dass man überhaupt erst seit kurzem bei Babys im Mutterleib und Neugeborenen von einem Schmerzempfinden ausgeht. Daher hat man sie tatsächlich bis in die 70er Jahre ohne Narkose operiert.  Heute weiß man, dass Säuglinge schon sehr früh Schmerzen und andere Gefühle wahrnehmen. Ein Embryo fällt z.B. in eine Art kurze Schockstarre, wenn er sich erschreckt oder wehtut. Und er kann sich auch schon freuen. Gefühle und die vorausgesetzte Anlage dafür entwicklen sich also schon im Mutterleib.

Hüther hat erforscht wie sich die organische Entwicklung, die synaptischen Verschaltungen und das Gehirn entwickeln – und das ein ganzes Leben lang.
Er beschreibt wie unser Gehirnt aufgebaut wird: Zunächst bilden die Synapsen kleine Trampelpfade, dort wo eine Verbindung nötig ist. Je häufiger diese Trampelpfade benutzt werden, desto besser begehbar werden diese. Daraus werden Wege und Straßen, bis hin zu vierspurigen Autobahnen. Und genau das erklärt auch, warum wir mit dem Alter immer festgefahrener werden in unseren Mustern: wir kennen einfach den bequemsten Weg über die Autobahn, der hat uns immer sicher und souverän ans Ziel gebracht. Warum sollten wir jetzt auf einmal eine Abkürzung durch den Wald suchen und uns solche Mühe machen, nur um mal was anderes zu sehen und doch ans gleiche Ziel zu kommen?

Jedenfalls ist es so, dass sich so die gesamte organische Entwicklung aufbaut: Um eines Tages sprechen zu können sind zunächst die kleinsten Verknüpfungen, nämlich die organischen Anlagen und Verschaltungen für Ohr und Mund etc. nötig, alles synaptische Verknüpfungen. Dann werden die kleinen Trampelpfade des Hörens angelegt, Stimme trainierens, Nachahmens, etc. erforderlich, bis das Kleinkind auf den Weg kommt, wo es dann erste Wörter sprechen kann. Der Weg wird breiter und es spricht Sätze, und so weiter.

Was hat das jetzt damit zu tun, dass unsere Emotionen in der Schwangerschaft Einfluss nehmen auf das Kind?
So ergibt es sich z.B. dass ein Embryo, der im Mutterleib viel Stress abbekommt den Weg zur Stressregulation häufiger läuft, als ein Embryo, der eine  vergleichsweise ruhigere Zeit erlebt. Sein Weg ist dort einfach schon breiter, und das Baby ist eventuell ein Stück weit besser auf den Stress draußen in der Welt vorbereitet. Oder es ist dieses Stresslevel so sehr gewohnt, dass es diesen Weg auch weiterhin benutzten will, auch wenn das Leben draußen entspannter aussieht als in Mamas Bauch während ihrer Stressmomente. Also kann es sein, dass sich der Säugling diesen Reiz dann selbst schafft: er erzeugt sich die bekannte Unruhe durch Bewegung oder seine eigene Geräuschkulisse.

Unruhe zu vermeiden ist also absolut nicht unbedingt das Gebot der Stunde, denn es ist von Vorteil, wenn das Kind schon viele Erfahrungen sammeln und kleine, verwucherte Trampelpfade anlegen konnte. Je mehr Eindrücke auf den Embryo, und später auch auf das Neugeborene wirken, desto mehr neue synaptische Verzweigungen bilden sich aus. Stress sollte aber eher vermieden werden.

Embryos haben schon Gefühle und müssen diese auch verarbeiten. Das tun sie, und das ist Teil ihrer Entwicklung.
Und das ist doch schön. Denn es schenkt uns UND unserem Baby die Chance diese Zeit bewusst zu erleben, uns, unseren Körper und das darin wachsende Leben bewusst wahrzunehmen. Vielleicht ab und zu mal inne zu halten und sich diesen Zauber bewusst zu machen.

Mich hat ein früher Ratschlag meiner Hebamme ein ganzes Stück weit getragen:  Nutze diese besondere Zeit, um auf Deine Intuition zu hören und auf sie zu vertrauen. Und nutze diese Zeit ihr wieder mehr Raum in Deinem (fremdbestimmten) Leben zu geben. Und das finde ich sehr schön, bereichernd, entschleunigend und langfristig beruhigend. “Du machst das schon”, sagt mein Freund oft (nicht sehr motivierend) daher. Aber hier passt es. Zuversicht und Selbstvertrauen sind wichtige Begleiter in der Schwangerschaft.

Und woher nehmen, wenn Du sie trotz viel Kramens nicht in Deinem Inneren findest? Aus dem Austausch mit anderen Müttern, mit erfolgreichen “Familienmanagern”,  mit Frauen, denen man ansieht, dass sie gern Mutter sind. Dann kann auch mal ein Ratgeber verschlungen werden der nicht unreflektiert und eher verunsichernd im Raum stehen bleibt. Dazu findest Du bei uns oder bei jener weisen Mutter bestimmt den passenden Lektüre-Tipp.

Nina im achten Monat ihrer Schwangerschaft

 

Mehr ruhig

November 8th, 2011

Zurzeit sind wir alle im Stress. Ich merke das an der vorpubertären Launenhaftigkeit meiner großen Tochter, an der vulgären Bockigkeit meiner Mittleren und an den gehäuften Wutanfällen meiner Kleinen. Durch meine große Tochter musste und durfte ich jetzt lernen, dass es tatsächlich stimmt, was eine Mutter mir erzählte, während meine Kinder Ballett tanzten: es gibt etwa mit neun Jahren bei Mädchen einen ersten kurzen und heftigen Schub der Pubertät. Körperliche Anzeichen stellen sich genauso ein wie psychische. Sie erzählte mir ihre Tochter habe kurz mal „gestunken wie ein Bock“. Bei meiner wölben sich ganz leicht die Brustwarzen und so….Auf jeden Fall unübersehbar ist dieser pubertäre Schub an ihrer schrecklichen Laune. Sie ist ständig schlecht gelaunt, nichts ist schön, nichts ist gut, alle sind doof, keiner mag sie und es fallen ständig Sätze wie „Ich weiß auch nicht was mit mir ist.“ Gegen all diese Dinge kann ich nicht wirklich viel tun. Ich versuche sie nicht persönlich zu nehmen und warte, bis sie wieder veschwinden, ich versuchs zumindest. Aber ein Satz fordert mich zum Handeln auf und gibt mir doch zu denken: „Mir wird einfach alles zu viel.“ Oder auch: „Ich möchte einfach mal selber bestimmen, was ich machen möchte.“

Da schrillen meine Alarmglocken und nicht nur deshalb, weil es wirklich erschreckend ist, wie wenig Zeit meine Kinder zu ihrer freien Verfügung, zum Abhängen haben. Ich bin, wenn sie sowas sagt so beunruhigt, weil sie damit auch mir selbst völlig aus der Seele spricht. Eigentlich geht es mir richtig gut in letzter Zeit, nur ist irgendwie immer alles zu viel….

Da musste ich an eine liebe alte Freundin meiner Eltern denken, die mich als Kind geprägt hat. Wenn man so tagtäglich mit Kindern zu tun hat, kommen da ja oft Gedanken an die eigene Kindheit zurück, die man längst vergessen glaubte. Während ich also eine sehr seltene Aktion in meinem derzeitigen Leben startete und einfach so mal eine Runde bei schönstem Herbstwetter spazieren ging (siehe Bilder) und mir den Luxus gönnte meine Gedanken schweifen zu lassen, da dachte ich an Amelia, die besagte liebe Freundin.

Amelia ist Portugiesin und etwas jünger als meine Mutter, vielleicht heute so um die 60? Amelia und Chicco, ihr Mann, waren Lehrer an der portugiesischen Nachmittags- und Wochenendschule einer schwäbischen Kleinstadt, deren Bewohner fast ausschließlich für Daimler Benz arbeiteten. Es gab da also auch Kinder, deren portugiesische Väter und Mütter ebenfalls in dieser Stadt Autos zusammenschraubten und Amelia und Chicco hatten daher immer ordentlich viele Kinder in ihren Klassen. Amelia und Chicco freundeten sich irgendwie mit unseren Eltern an und hatten dann den völlig zündenden Gedanken, uns in den Sommerferien in ihr Sommerhäuschchen an der Algarve, ganz im Süden Portugals einzuladen. Diese Idee verschaffte mir und meiner kleinen Schwester die drei schönsten Sommerferien unseres Lebens und hat uns entscheidend geprägt. Nicht nur, dass ich seither das mediterrane Essen liebe, auch wie sie mit ihren Kindern umgingen, das hat mich nachhaltig beeindruckt: meine Eltern wurden also in ein nahe gelegenes Hotel einquartiert und genossen ihre nächtliche Ruhe, während wir eingeladen wurden, in einem kleinen Zimmer das dort stehende Ehebett in Beschlag zu nehmen. Das Häuschen war ganz winzig und lag in einer verwinkelten Gasse der Stadt Monte Gordo. Zum Strand waren es drei Minuten und ein Bad gab es nicht. Das Salzwasser wuschen wir uns mit Kübeln im kleinen Patio ab. Abends kochte Maria, die tagsüber auf die beiden kleinen Kinder, einen kleinen schlacksigen Jungen und ein kleines, süßes, braungelocktes Mädchen aufpasste, zusammen mit Chicco und Amelia ein herrliches Festmahl, dessen Zutaten Amelia mit uns zusammen jeden Tag aufs Neue auf dem Markt einkaufte. Von ihr lernte ich „richtig“ einkaufen: Dass man auf Wassermelonen klopfen muss, dass man an Honigmelonen riechen muss, dass man den Fisch sofort zurückgibt, wenn er ein bisschen riecht, dass man den Metzger fragt, wo er das Fleisch her hat und ob er morgen wieder Lamm hat und dass das Fleisch gestern gar nicht zufriedenstellend war. Ich lernte von ihr auch, dass man viel, viel ältere Freundinnen haben kann. Sie war nämlich eindeutig meine Freundin, denn wir hatten Geheimnisse, Geheimnisse vor meinen Eltern. Nach dem täglichen – und wenn ich täglich sage meine ich täglich – Festschmaus bestehend aus Suppe, Krabben, Tintenfisch, Stockfisch, Reis, Kartoffeln, Melonen, Mandeltorten und viel Garcia Casals flanierten alle, wirklich alle aus dem Ort mit Kind und Kegel, mit Babys und Omas und Opas und eben auch mit uns, durch die Straßen bis etwa 24 Uhr. Es konnte schon auch mal 1 werden, denn die Großen gönnten sich ja noch einen Cognac und dann noch ein oder zwei Käffchen und die Kleinen bekamen ein Eis und dann vielleicht noch eins oder einen Lolli. Dann übermannte meine Eltern irgendwann so gegen 23 Uhr jedoch regelmäßig ihre nordeuropäische Müdigkeit. Wahrscheinlich hatten sie vor der Vorspeise mal wieder zu viel Weißbrot erwischt, danach zuviel Wein und überhaupt auch zuviel Sonne. Auf jeden Fall machten sie irgendwann sehr zur Freude meiner Schwester und mir schlapp. Wenn sie gingen sagten sie zu Amelia, dass sie dafür sorgen solle, dass wir spätestens um zwölf im Bett liegen. Amelia zwinkerte uns in dem Moment immer sehr professionell zu, genau so, dass meine Eltern es tatsächlich nicht merkten. Wir hatten mit ihr sogar den Deal, dass wir mit dem 17jährigen Markus aus Hamburg noch ein bisschen weiterziehen durften, so bis halb 2. Diese nächtlichen Zeiten waren für mich unvorstellbar liberal. Ich liebte Amelia und ihr Heimatland dafür. Es war das Gefühl von grenzenloser Freiheit, gepaart mit Lebenslust und Genuss, von Sommerkleidchen ohne Jacke nachts um eins, von Honigmelone mit einem Schuss Portwein mit 15. Aber vor allem war es das Gefühl, das Astrid Lindgren in den Ferien auf Saltkrokan auch so treffend beschreibt: sich treiben lassen, nicht fremdbestimmt sein, vielleicht war man durchaus durch den Rest der Meute fremdbestimmt, aber man hatte zumindest das Gefühl, in jedem Moment genau das zu tun, was man wollte und man lebte so wunderbar im Einklang mit seinen körperlichen und geistigen Bedürfnissen. Lange ausschlafen, sofort an den Strand und wie bekloppt Beachball spielen, zur Erfrischung Wellen tauchen, wobei ich mir immer bei den portugiesischen Kindern genau abguckte, wann ich unter Wasser musste. Da war ich wenig selbstbestimmt, denn sobald ich es alleine versuchte, ging ich im wahrsten Sinne baden. Danach ein herrlich leckeres Schnitzelbrötchen mit ordentlich Salat und Mayo drauf. Ein bisschen die ersten Englischkenntnisse an den Mann und die Frau bringen. Mit Wassereis in der Hand auf Strandschaukeln sitzen. Den Mittag über mit allen anderen unter 20 unterm Sonnensegel am Strand bleiben, während alle Erwachsenen ihre Siesta im Haus machten. Nach der schlimmsten Mittagshitze das Ganze von vorne: Beachball, Baden und und und. Wie habe ich mich denn jetzt in den schönsten aller Erinnerungen derartig verloren? Weil ich an Amelias Wahlspruch denken musste, der da lautete: „mehr ruhig“. Das sagte sie ständig, vor allem zu meinen Eltern. Wenn meine Eltern wieder durch uns oder irgendetwas nordeuropäisch genervt waren, sagte sie es, wenn Chicco Hunger hatte, wenn ihre Kinder weinten, einfach in jeder erdenklichen Situation. Heute morgen hätte ich sie mir neben mir gewünscht, wie sie es zu mir sagt, den Kopf so leicht gebeugt, mit diesen fröhlichen Augen hinter den Brillengläsern, von unten zu uns hochschauend, weil sie noch kleiner ist als wir: „mehr ruhig“, das tut so gut.

Unser neuer/alter Guru: Jesper Juul

Oktober 25th, 2011

Ich gebe zu, ich liebe Ratgeber-Literatur jeglicher Couleur. Ich habe sie schon stapelweise verschlungen: Bücher zur Findung meines Talents, meiner Leidenschaft, meines finanziellen Erfolgs, meiner Ernährung, der optimalen Entspannung, der Findung des Glücks allgemein, und natürlich – der Erziehung. Momentan fühle ich mich wieder durch einen phantastischen Erziehungsratgeber auf meinem langen, steinigen Weg zur Weisheit ein gutes Stückchen vorangebracht: Jesper Juul: Dein kompetentes Kind, Hamburg 2010.

Jesper Juul ist ein dänischer Pädagoge und Familientherapeut und zur Zeit völlig zurecht in aller Munde wie ich feststellen musste. Zugegebenermaßen stehen mehrere seiner Bücher, die ich bei einer meiner abendlichen Einkaufseskapaden im Netz mal wieder all zu freizügig erwarb, schon lange in meinem Schrank. Ich hatte keine Lust, sie zu lesen, eben weil dieser Mensch gerade in der öffentlichen Diskussion ständig erwähnt wird. Nach Lesen seines ersten Buches ist er mir aber doch von Grund auf sympathisch und ich bin begeistert. Ich kann wirklich sagen, dass ich glaube, dass er mein Verhältnis zu meiner mittleren Tochter nachhaltig positiv beeinflusst und verändert hat. Ich bin mir sicher, sie wird es ihm später sehr danken.

Meine mittlere Tochter ist sehr lässig und etwas unangepasst. Außerdem ist sie in der gesamten Nachbarschaft wegen ihres lauten Organs bekannt. Sie ist überhaupt nicht schüchtern, ganz im Gegenteil: sie sagt immer sofort und zu jeder Respektsperson einfach so was sie gerade denkt. Ich muss zugeben, dass ich sie ständig ermahne und zu ihr sage, sie soll leiser sprechen. Sie antwortet dann ganz verzweifelt: „Mama, ich versuchs ja, aber es geht einfach nicht. Meine Stimme ist halt so.“ Für sie fühlt sich normal laut sprechen wie flüstern an und das Flüstern fällt ihr ausgesprochen schwer seit ihre kleine Schwester vor knapp vier Jahren auf die Welt kam und sie sich notorisch unbeachtet und übergangen vorkommt – oft durchaus zurecht.

Jesper Juul hat mir jetzt die Augen auf eine Art geöffnet, die meine Beziehung zu meiner Tochter völlig revulotioniert, denn ich habe auf einmal eine neue Tochter bekommen. Wie so was geht? Ganz einfach:

Jesper sagt vor allem, dass Kinder kompetent sind und damit meint er, dass nicht nur wir ihnen Dinge beibringen, sondern, dass auch wir Erwachsenen an unseren Kindern wachsen, reifen und viel von ihnen lernen. Dazu müssen wir davon ausgehen, dass jedes Verhalten unserer Kinder Sinn macht und uns etwas beibringen und sagen kann. Kinder halten uns also durch ihr Verhalten ständig einen Spiegel vor. Durch ihre womöglich auf den ersten Blick negativen Verhaltensmuster können wir selbst „unsere unfruchtbaren, lieblosen und destruktiven Handlungsmuster“ (S. 15) loswerden.

Das Problem dabei ist, dass Viele von uns jedoch die Kompetenz nie entwickeln durften, diese ganzen Signale unserer Kinder zu deuten und zu verstehen. Um das zu lernen, müssen wir aber wirklich mit unseren Kinder in einen Dialog treten und sie als gleichwürdig sehen. (vgl. Jesper Juul, a.a.O., S. 15) „Gleichwürdig“ ist so ein typisches Jesper-Wort, denn er tut so, als sei es ein selbstverständliches Wort, es kommt mir aber tatsächlich mehr wie eine seiner Fast-Neu-Wortschöpfungen vor. Gleichwürdig beinhaltet für ihn, dass wir unsere Kinder nicht als unfertige Menschen sehen, die durch unsere Erziehung und unser Einwirken erst zu vollständigen Menschen gemacht werden müssen. Sie sind genauso vollständig oder unvollständig wie wir selbst, die wir ja auch bis ans Ende unserers Lebens noch weiterlernen und uns entwickeln.

Besonders wenn unsere Kinder noch sehr klein sind, ist es unsere Aufgabe als Eltern, am Anfang ihres wortlosen Weges ihre Bedürfnisse und Gefühle richtig zu deuten und zu spiegeln, und ihnen so das Werkzeug an die Hand zu geben, sich möglichst gut selbst kennenzulernen. Nur wenn sie sich gut kennen, werden sie ihre Gefühle und Bedürfnisse als Erwachsene adäquat äußern können und das wird ihnen in ihren Beziehungen zu anderen Menschen sehr helfen. Aber um ihre Gefühle zu spiegeln und ihnen Worte dafür an die Hand zu geben, müssen wir diese Gefühle erst einmal sehen und ernst nehmen.

 

Durch dieses Wahrnehmen ihrer Gefühle schaffen wir beim Kind etwas, das Jesper Juul Selbstgefühl nennt. Ein Wort über das ich davor noch nie nachgedacht hatte. Ich glaube, ich kannte es gar nicht. Selbstgefühl ist das Gefühl, dass ich ein wertvoller Mensch bin auch unabhängig von meiner Leistung. Dass ich bedingungslos um meiner selbst willen geliebt werde. Es ist wohl die Grundlage für alles Glück. Das Problem hierbei ist, dass unsere Generation eben oft selbst kein Selbstgefühl aufbauen durfte, denn unsere kindlichen Gefühle wurden oft nicht gesehen und für uns ausgesprochen. Ich wurde zum Beispiel oft als Kind geschimpft, wenn ich mir wehtat. Das war eine völlig inadäquate Reaktion auf meinen Schmerz. Ein Satz wie „oh je, das tut bestimmt weh, soll ich pusten?“ hätte mir sehr viel mehr geholfen. Natürlich habe ich mich selbst als Mutter bei genau dieser Reaktion ertappt, bin aber ganz stolz auf die Reflexion meiner eigenen Tochter, die dafür dann Worte hatte und zu mir sagte, dass sie das – mit Verlaub – einfach gemein findet, wenn ich sie schimpfe, wenn sie sich wehgetan hat. Das hat schon ein bisschen geholfen, mich als Mutter zu belehren, und den Rest schaffte dann Jesper.

Warum aber nennt Jesper Juul das Selbstgefühl und nicht Selbstvertrauen? Im Gegensatz zum Selbstgefühl ist Selbstvertrauen etwas, dass ich mir durch das Einüben irgendwelcher Fertigkeiten aneignen kann. Selbstvertrauen ist auch sehr wichtig und fördert sicher das Glück. Es ist aber lange nicht so essentiell wie Selbstgefühl. Und Selbstgefühl ist auch die Grundlage für wahres Selbstvertrauen.

Das klingt alles in der Theorie ganz toll, aber wie setzt man das um? Mir half Jespers Hilfestellung mir vorzustellen, ich hätte ein völlig neues Kind geschenkt bekommen. Es einmal einfach so zu sehen, wie es ist und nicht so, wie ich es haben möchte…. Es funktioniert tatsächlich, und zwar so oder so ähnlich:

Ich beobachtete meine beiden älteren Töchter mit ein paar anderen Kindern, hauptsächlich Jungs, auf dem Spielplatz. Während meine Neunjährige ihre ersten sachten Shakerversuche mit einem elfjährigen Jungen unternahm, scharwenzelte meine siebenjährige besagte Mittlere zwischen den beiden und einigen anderen kleinen Kerlen so zwischen 9 und 5 Jahren herum, streckte ihnen die Zunge raus und wackelte auf eine völlig vulgäre Art mit ihrem Hintern und zog ihre Hose halb über denselben. Es war ein Bild des Grauens und so weit entfernt von dem feinfühligen, sanften und zarten Mädchen, das ich mir wünschte groß zu ziehen, dass mein erster Impuls der übliche war: ich wollte hinrennen, sie am Arm ziehen und zischen, sie solle sich mal anständig benehmen. Dank Jesper versuchte ich es aber mal ganz anders. Ich versuchte das Ganze mal positiv zu sehen: was für ein kraftvolles, herrliches, selbstbewusstes und phantasievolles Prachtmädchen, mit dem man Pferde stehlen und eine Menge Spaß haben kann, und das sich bestimmt nie die Butter vom Brot nehmen lassen wird! Soll sie doch ihr lautes Organ weiter ölen und durch ihre Zahnlücken pfeifen. Und wer weiß, vielleicht wird sie ja mal Opernsängerin? Ich hab mir sagen lassen, da sind laute Stimmen sehr nützlich und wackelnde Hintern bestimmt nicht abträglich. Ich ging also nicht hin und beobachtete einfach voller Stolz weiter. Ich liebe sie!

Nestbautrieb und Schwangerschaft

September 22nd, 2011

So eine Schwangerschaft plätschert ja auch in Schüben dahin: erst ist man ganz aufgeregt und wuselt und recherchiert nur ums Thema. Alles verändert sich: der Körper, die Gedanken, die Pläne. Und dann glätten sich die Wogen nach ein paar Wochen kurz mal. Und dann wölbt sich der Bauch langsam sichtbar. Und während es langsam begann zu flattern in meinem Bauch, kribbelte es mich mehr und mehr in den Fingerspitzen: Wo bekommt man die schönsten Babysachen her, wo findet sich etwas Besonderes und wie möchte ich die Welt meines Babys eigentlich gestalten? Dass ich sie gestalten möchte, und unbedingt ich, das war ja mal klar. Dass sich bei LOUyLOU schon einiges findet und viele liebe Mama-Freundinnen auch Strampler und Co. für mein Baby aufgehoben hatten (naja, vielleicht nicht ganz speziell für meins, aber wer zuerst kommt… trägt die Sachen als nächstes auf!) ist super!
Aber als wenn sich im Laufe der Schwangerschaft ein roter Faden zu einem Knäul auftröselt, wächst da dieser Nestbautrieb, vielleicht auch ein Teil des Mutterinstinkts – und der möchte sich jetzt ausleben.

Mein Instinkt fühlte sich nach Musik, denn er wollte sich ja richtig austoben. Also entschieden wir uns für das Projekt Spieluhr. Zwei Abende lang hörten der werdende Papa, mein Bauch und ich alle verfügbaren Spieluhrmelodien durch: “La Le Lu?” “Viel zu abgeschmackt! Wie wär’s mit “Weißt Du wie viel Sterne stehen?” “Ja schön! Oder lieber “hush little baby”? Ich mag diese Melodie, aber schauen wir schauten uns den Text doch mal genauer an: und verwarfen ihn als zu materialistisch….”

Die Tage des Bedenkens hatte ich genutzt, den passenden Schnitt entwickelt, Stoff ausgewählt und meine Nähmaschine bemüht. Als die Melodie im Postkasten lag musste sie also nur noch eingepflanzt werden. Et voilá , darf ich euch vorstellen: Eugen Eule, ein Pionier seiner Art – und demnächst bestimmt zum Nachgestalten für euch?!
Nina

Das glückliche Leben der Senora Ida

Juni 5th, 2011


Vor ein paar Wochen traf ich Dona Ida in den Alpujarras, einem Mittelgebirge am Fuße der Sierra Nevada in Andalusien, vor ihrem kleinen weißen Haus im Dorf. Ida wurde 1929 geboren, genau wusste sie das nicht, ihre Tochter schon.
Ich wollte von Ida wissen, wie das genau war, das Kinder-Großziehen in den Alpujarras in den 40er und 50er Jahren, als sich dort außer Hemingway kein Tourist hin verirrte und der Hunger allgegenwärtig war in dieser kargen und doch so wunderschönen Gegend? Und dann noch: welcher war der schönste Moment in deinem Leben Ida?
Nachdem Ida ihre erste große Verwunderung darüber abgelegt hatte, dass eine deutsche Frau sich für solch abstruse und banale Dinge interessiert, kam ihre Geschichte in Fluss:
Ihr Vater starb als sie zwei Jahre alt war und ihre Mutter blieb mit den Kindern alleine zurück. Es war ein großes Glück, dass die Mutter die Einzige im Dorf war, die eine Nähmaschine besaß und so setzte sie sich in lauen Nächten mit ihrer Nähmaschine auf die Dorfstraße und nähte für alle Bewohner was die so brauchten.
Es war auch ein großes, anhaltendes Glück, dass sie von ihrem Onkel durchgefüttert wurden, der das Dorflädchen führte. Die Lebensmittel für seinen Laden holte er mit zwei Mauleseln aus Granada. Für einen Weg brauchte er drei Tage, was auch erklärt, warum Männer in Idas Erzählung keinen großen Raum einnehmen. Sie waren eigentlich nie da. Entweder sie arbeiteten auf dem Feld, hüteten das Vieh, arbeiteten in den Minen, wenn sie Glück hatten und privilegiert waren, oder besorgten eben irgendetwas in Granada, Almeria, Barcelona….
Auch wenn Ida die meisten wichtigen Momente in ihrem Leben zusammen mit den anderen Frauen im Dorf teilte und nicht mit ihrem Mann, so sprach doch viel Wärme und auch etwas Glück aus ihren Worten, wenn sie von den 60 Jahren Ehe mit ihm berichtete. Es war schon so etwas wie eine “Liebesheirat”. Sie lernten sich auf einem Dorffest beim Tanzen kennen und trafen sich danach ein paar Mal, bevor ihr Mann bei ihrer Mutter und ihrem Onkel um ihre Hand anhielt. Da war sie so ungefähr 20 Jahre alt und etwa ein Jahr später wurde ihr erstes Kind geboren. War er vielleicht hier, der glücklichste Moment?
Nein, nein, nein, das erste Kind sei definitiv kein glücklichster Moment, da waren sich Ida, ihre Tochter und auch ihre Nachbarin absolut einig. Wer wusste denn so genau, ob man dieses Kind auch wirklich behalten durfte? Ida war nach einer Fehl- und einer Totgeburt da doch zu vorbelastet und hatte einfach nur Angst und Sorge.
Bei der Geburt waren die Männer natürlich weit, weit weg. Sie konnte sich nicht erinnern, wo ihr Mann während der Geburten wohl war, aber sie erinnerte sich an die Hebamme, eine Frau aus dem Dorf, die “sich für so etwas interessierte”. Mit ihrer Hilfe brachte sie ihre Tochter Ida Angustia und auch ihren Sohn zur Welt, der heute in Almeria lebt.
Um so eine Geburt wurde weiter kein großes Primborium gemacht: ging es der Frau gut, stand sie sofort auf und fing wieder an zu arbeiten, ging es ihr schlecht, blieb sie im Bett. Sie bekam auch kein besonderes Essen oder irgendwelche Kräuter oder dergleichen. Einfach nur “was eben gerade da war”.
Ida, wie hast du deine Babys zum Schlafen gebracht? Sie sagte, sie habe sie auf einem Stuhl sitzend in den Armen gewiegt und dann in das Bett gelegt. In welches Bett wollte ich wissen? Gab es ein Babybettchen oder eine Wiege? Nein, die Kinder schliefen mit der Mutter zusammen in einem Bett, weil da eben Platz war.
Wenn ihre Kinder krank waren brachte sie sie zum Arzt einen Ort weiter. Das waren einige Kilometer Fußweg und sie hatten keine Tragehilfe und auch kein einfaches Tuch, um das Kind leichter tragen zu können. Sie trugen sie einfach in ihren Armen. An Medizin gab es Kamille, Aspirin und Okal – und einen kleinen Trick, der garantiert bei Zahnungsschmerzen funktionierte, und den ihnen bestimmt kein Arzt verraten hatte: ein kleines Stück Wolle mit der eigenen Spucke getränkt auf die Stirn legen….und ein bisschen Mandelöl auf den schmerzenden Gaumen. Mehr Hausmittel konnte ich zu meinem großen Erstaunen aus Ida nicht herauskitzeln. Mein Gedanke war, dass die katholische Kirche die Kultur der Hausmittel in Spanien doch noch radikaler abgeschafft hat, als in Deutschland? Denn hier hat doch wirklich jede Oma diverse Tipps und Tricks gegen viele Beschwerden: auf Schweinespeckwickel und Kartoffelspeckwickel, auf Knoblauchöl in Ohrenbäuschen hatte ich auch in Spanien gehofft? Ich wurde bitter enttäuscht, ja, ich meinte sogar eine gewisse Angst zu spüren, jetzt nur nichts Falsches zu sagen…. Vielleicht war es auch nur ein Zufall? Nein, ich denke nicht, denn ich hatte das große Vergnügen unseren hoch verehrten spanischen Kinderexperten Dr. Carlos Gonzalez ein paar Tage später auf einem Kongress zu sprechen, und er erzählte mir, dass spanische Eltern angstvoll beobachten, welch wundersame Arzneien natürlicher Art wir in Deutschland unseren Kindern verabreichen. Jedoch, auch in Spanien bewegt sich da gerade was, wie ich in vielen “Kräuterläden” in Granada beobachten konnte.
Wie lange wurden denn die Babies gestillt? Ein Jahr lang und noch ein bisschen länger. Und fing man dann traditioneller Weise mit einem bestimmten Nahrungsmittel an zuzufüttern? “Was für eine komische Frage! Man gab halt, was gerade da war. Reis oder Bohnen.”
Wie viele Kinder hatten denn die meisten Frauen in den Alpujarras in jener Zeit? “Naja, so sieben bis acht Kinder hatten wohl die meisten Familien. Und alle waren so hungrig, dass die Kinder sich nachts aus dem Haus schlichen, wenn die Früchte reif waren, um sich die Bäuche auf den Bäumen vollzuschlagen. Man sah auch Kinder im Dorf betteln.” Wann immer Ida den großen Hunger erwähnte, wurde mir tatsächlich die Absurdität meiner Frage nach Glück bewusst. Glück und Hunger, die schließen sich wohl gegenseitig aus. Auf welch hohem Niveau wir doch Probleme haben, die wir hungrig gar nicht hätten?
Abgesehen vom Hunger hielt wohl auch die viele Arbeit Ida vom ständigen Glücklichsein ab: dreimal in der Woche floss Wasser aus den maurischen Bewässerungskanälen durch das Waschhaus des Dorfes und alle Frauen wuschen gemeinsam ihre Wäsche. Asche diente als Waschmittel. Jeder besaß zwei Kleidungsstücke. Eines trug man, und das Andere konnte gewaschen werden. Lederschuhe besaß kaum jemand.
Und wie vergnügte man sich als Frau nach der getanen Arbeit? Gar nicht, denn Rauchen und Trinken war ausschließlich etwas für die Männer. Aber Ida ist überzeugt, dass nur deshalb alle Frauen im Dorf ihre Männer überlebten.
Und ihre Kindheit? Gab es da Spielsachen und gab es überhaupt Zeit zum Spielen? Oh ja, mit den Tieren und aus dem Agavenkaktus machten sie sich Steckenpferde. Da war er, dieser kleine, glückliche Moment. Und auch, als sie sagte: “die Zeit, als meine Kinder klein waren und ich ihnen so nah, das war schön.”

Bonding

Mai 17th, 2011

Ich habe gestern Abend viel an meine geliebte Oma Elfriede gedacht. Es ging mir eine Geschichte durch den Kopf, die sie mir erzählt hatte, als sie noch top fit war. Jeder Mensch hat ja so eine Geschichte, deren Gegenstand ein Schlüsselerlebnis ist und die man den Enkelkindern wieder und wieder erzählen muss und auch will. Wahrscheinlich eine clevere Erfindung der Natur, um erzählbar schwere Ereignisse gut verarbeiten zu können (die ganz, ganz schweren führen wohl doch eher zu Sprachlosigkeit).
Meine andere Oma Eleonore fragten wir Kinder immer und immer wieder nach ihrer Flucht aus Ostpreußen – und sie erzählte immer und immer wieder wie die Milch im Zug schlecht wurde und alle Babys schrieen wie am Spieß….und wie sie ihre einzige Tasche mit allen Papieren drin im Zug verlor – aber für Papiere interessierte sich in dem ganzen Durcheinander dann Gott sei Dank doch niemand mehr: Sie habens dann irgendwie geschafft und alle überlebt. Bestimmt wollten wir die Geschichte auch wegen ihres Happyends immer wieder hören.

Meine Oma Elfriede hatte keine richtige Happyend-Geschichte auf Lager, weshalb sie sie mir auch nicht ganz so oft erzählte und auch erst, als ich schon viel älter war und wir uns “von Frau zu Frau” unterhielten. Die Geschichte, die mir am stärksten in Erinnerung ist und von der sie mit dem größten noch erzählbaren Schmerz berichtete, ist die Geschichte der Geburt ihres ersten Sohnes.
Sie bekam ihr erstes Kind im Krankenhaus, in einem evangelischen Krankenhaus, obwohl sie Katholikin war, was damals schon schlimm genug war und eine äußerst unfreundliche Behandlung garantierte. Dieses Krankenhaus stand in einer ganz normalen schwäbischen Kleinstadt und es war 1943, eine denkbar ungünstige Zeit.
Alles lief bei der Geburt ganz gut, aber meine Oma erzählte mir immer wieder wie furchtbar es war, dass sie ihr das Kind direkt nach der Entbindung einfach wegnahmen: unfreundliche protestantische Schwestern, denen sie nicht vertrauen konnte, weil sie ja katholisch war und die auch nicht den Anschein machten, liebevolle, fürsorgliche Frauen zu sein. Sie erzählte mir wie ihre Brüste schmerzten, weil die Milch einschoss und sie ihren Sohn meinte die ganze Nacht unter vielen schreienden Babys herauszuhören, und die Milch noch stärker einschoss, und sie dieses Weinen kaum ertragen konnte. Sie schlich durch die dunklen Krankenhausgänge zum Babyzimmer und sah ihn dann dort schreiend liegen, ohne hingehen zu dürfen. Natürlich ist dies keine richtige Kriegsgeschichte und im Vergleich zu dem Leid, das vielen Menschen zu genau derselben Stunde zustieß absolut geringfügig, aber dennoch spricht aus diesem Erlebnis eine solche Grausamkeit, eine solch unnötige Kälte, dass es einen doch an den Menschen zweifeln lässt.
Diese Geschichte macht mit mir vor allem eins: sie macht aus mir eine glühende Verfechterin eines ausgiebigen Bondings nach der Geburt und einen großen Fan so toller Leute wie Frédérick Leboyer und seines Schülers Michel Odent. Leboyer ist der Vater der sanften Geburtsmedizin, die daher auch als Leboyer-Methode bekannt ist und mittlerweile Maßstäbe für unsere heutige Geburtspraxis setzt.

Er forderte, dass Neugeborene eben nicht wie der erste Sohn meiner Oma zur Welt kommen müssen, sondern dass die Geburt liebevoll und ohne jeglichen unnötigen Stress für den Säugling ablaufen kann. Er guckte sich das Ganze quasi als Erster aus den Augen des Neugeborenen an und anerkannte dessen natürliche Bedürfnisse im Moment der Geburt. Es sollte sich möglichst langsam an die Welt da draußen gewöhnen dürfen. Leboyer folgerte daraus:
Im allerersten Moment soll das Baby erst einmal auf dem Bauch der Mutter liegen dürfen, ihre Wärme weiter spüren und ihren gewohnten Herzschlag hören.
Man wartet einen Moment bis man die Nabelschnur durchtrennt, damit dem Kind die Umstellung auf die eigenständige Atmung erleichtert wird und es noch Sauerstoff aus dem Nabelschnurblut bekommen kann.

Kind und Mutter wird Zeit gegeben und das Kind wird nicht sofort gebadet. Erst einmal darf es noch “verschmiert” die Brust suchen.
Mit dem Kind soll sanft umgegangen werden, wenn keine akuten medizinischen Probleme vorliegen.
Das Entbindungszimmer soll warm und das Licht gedämpft sein, damit der Übergang vom Bauch in die Welt für das Baby möglichst stressfrei sein kann.
All diese Forderungen kommen uns heute selbstverständlich vor, aber damals waren sie revolutionär. Inzwischen weiß man auch aus verschiedensten Forschungsrichtungen, wieviele äußerst wichtigen chemischen Prozesse in den ersten Minuten nach der Geburt ablaufen und wie hilfreich es für eine sichere Mutter-Kind-Bindung ist, diese ersten Momente des Bondings zuzulassen. Besonders für die mütterlichen Gefühle ist dieser erste Moment des Bondings außerordentlich wichtig, denn jetzt findet während eines Zeitfensters von einigen Minuten die stärkste Prägung der Mutter auf ihr Neugeborenes statt. Die Mutter wird hierbei unterstützt, wenn ihre Umgebung warm ist, sie Privatsphäre hat und Ruhe, das Kind braucht warmes Licht und der Hautkontakt ist für beide ganz entscheidend. Man weiß heute, dass es bei Müttern zu wesentlich weniger Babyblues kommt, wenn man ihnen diese ersten Momente nach der Geburt gönnt.
Das beste Buch über diese ersten Momente:
Michel Odent: Die Wurzeln der Liebe. Es ist nur leider sehr teuer und kostet so um die 46 Euro, also eher was für die Bibliothek.

Leboyer hat auch die im Ayurveda verwurzelte indische Babymassage (Kumara Abhyanga) in den Westen gebracht, die deswegen hier auch häufig Leboyer-Massage genannt wird.

Wichtige Bücher von Leboyer:
– Geburt ohne Gewalt – ISBN 3-46634-3321
– Sanfte Hände – ISBN 3-46634-4115
– Die Kunst zu atmen – ISBN 3-466-34080-2
– Das Fest der Geburt
– Weg des Lichts
– Atmen, singen, gebären – ISBN 3-530-40191-9

Wer etwas zu diesem Thema lesen möchte, der wird natürlich fündig bei Martha und William Sears (1192, 2003). The babybook, New York: Little, Brown and Company. Oder auch bei denselben Autoren in ihrem Birthbook.
Von Michel Odent gibt es ein kleines Büchlein, das ich sehr empfehlen kann und demnächst hier besprechen möchte:
Michel Odent (1994, 2010). Geburt und Stillen. Über die Natur elementarer Erfahrungen, Nördlingen: Beck.
Michel Odent ist Arzt und Geburtshelfer und gilt als einer der bedeutendsten Befürworter der natürlichen Geburt. Er gründete das berühmte Primal Health Research Centre in London, in die Langzeitauswirkungen von Umwelteinflüssen auf den Fötus, die Geburt und die Säuglingszeit untersucht werden, außerdem gilt er als Erfinder der Wassergeburt.

Seine wichtigsten Werke sind:

Die sanfte Geburt, Kösel, München 1986
Geburt und Stillen C.H. Beck, München 1994
mit Jessica Johnson: Wir alle sind Kinder des Wassers, Kösel, 1995, ISBN 3-466-34331-3
Von Geburt an gesund, Kösel, München 2000
Die Wurzeln der Liebe, Walter-Verlag, o.O. 2001
Im Einklang mit der Natur-Neue Ansätze der sanften Geburt, Walter-Verlag, 2004
Es ist nicht egal, wie wir geboren werden, Walter, 2005
Die Natur des Orgasmus: Über elementare Erfahrungen, aus dem Englischen von Christoph Trunk, C. H. Beck, München 2010 ISBN 978-3-406-60635-9

Wer etwas über die Entstehung der Bonding-Theorie lernen möchte:
H. Klaus und Dr. John Kennell: Maternal-Infant-Bonding.

Ein Loblied auf die Hängewiege

Juli 7th, 2010

Heute möchte ich mal ein Loblied auf Hängewiegen und Hängematten im Allgemeinen singen. Meiner Ansicht nach sind Hängewiegen vollkommen unterschätzt und Wiegen und Stubenwagen komplett überschätzt.

Das Problem bei den meisten Wiegen und Stubenwagen ist nämlich, dass sie von rechts nach links schaukeln und das mögen Babys meiner Erfahrung nach gar nicht. Für mehr Schlaf sorgt es schon gar nicht. Auffällig ist in dem Zusammenhang, dass es in keinem Naturvolk irgendeine Schlafstätte für Kinder gibt, die von rechts nach links schaukelt – aber es gibt ganz viele Patente, die von der Decke baumeln. Ein Tuch, das einfach um einen Balken geknotet wird oder geschnitzte Holzwiegen, die mit Tüchern umbunden werden und dann auch an das Dach einer Kota gehängt werden wie bei den Ureinwohnern Lapplands. (nachzusehen in dem wunderschönen Kinderbuch über ein vierjähriges Mädchen und ihren Hund Tjappo: Elle Kari aus Lappland von Anna Riwkin-Brick und Elly Jannes, erschienen bei Friedrich Oetinger, Hamburg, 1951 – erhältlich leider nur in Antiquariaten)

In den meisten Kulturen schlafen Kinder einfach mit oder ohne ihre Eltern in Hängematten – und dabei liegen sie eigentlich immer quer drin, so dass sie vom Kopf zu den Füßen und nicht seitlich schaukeln. Von der Schlaf fördernden Wirkung einer Hängematte durfte ich mich selber einmal für vier Monate in Kolumbien überzeugen. Es ist mir sooo schwer gefallen mich wieder an ein normales Bett zu gewöhnen, denn es war wahnsinnig entspannend und ich habe seither glaube ich nie mehr so gut geschlafen, so dass ich mich manchmal frage, warum wir unser blödes Ehebett nicht einfach abschaffen und auf eine Paarhängematte umsteigen.

brasilia Paarhängematte von Tucano

Brasilia Paarhängematte

Paarhängematte bei uns im Shop

Turnen könnten wir ja dann auf dem Boden oder dem Sofa.

Aber was für Erwachsene durchaus mehr Berechtigung hätte – für Babys und Kleinkinder ist es unermesslich hilfreich. Man legt sie in so ein schaukelndes Ding – übrigens am Besten nicht in ein ruhiges, abgelegenes Zimmer, sondern ruhig in die Mitte des Tohuwabohus (dann klingt alles so wie damals im Bauch – Babys im Bauch schlafen ja keineswegs nur nachts….) und sie schlafen darin besser ein, und vor allem kann man sie über die berühmten REM-Phasen, die so ein Baby ja alle 30 Minuten hat, hinüber retten (Vgl meinen Post “Fakten über Babys Schlaf” vom….). Am besten man hängt die Hängematte oder Hängewiege neben das eigene Bett und bindet eine Schnur dran. Sobald das Kleine schläft, lässt man alles stehen und liegen!!!! Nein, man räumt nicht schnell noch die Spülmaschine ein und man ruft auch nicht eben mal schnell die Oma oder die Versicherung an, sondern man legt sich sofort dazu, denn nach 30 Minuten droht so ein kleines Wesen normalerweise schon wieder auf zu wachen. Aber ihr seid ja davor gefeit, weil ihr im Halbschlaf nur schnell an der Schnur zieht, die die Wiege wieder zum Schaukeln bringt.
Die Spülmaschine könnt ihr dann später einräumen, wenn euer Kind vergnügt in der Babytrage sitzt oder wenn ihr einen ganz außergewöhnlich guten Tag erwischt habt, dann kann es ja auch sein, dass euer kleiner Schatz auch mal 5 Minuten alleine glücklich ist. Schafft man in der Zeit eine ganze Spülmaschine? Wird knapp, aber eine Waschmaschine beladen, das geht in der Zeit. Also, wohlauf – oder gefragt mit unserem indischen Freund: “Tell me, how do you Germans raise your children without hammocks?”

Wem eine Hängematte zu viel Platz weg nimmt oder irgendwie zu wild ist, dem möchten wir unsere Lieblings- Federwiege Mawok empfehlen. Wir sind glühende Fans dieser Wiege, weil wir sie mit ihrer Federaufhängung für sehr Schlaf fördernd halten und vor allem finden wir toll, dass man sie überall hin mitnehmen kann. Sie kann super praktisch über jede Tür gehängt werden. Eine Tasche zum Mitnehmen ist dabei und das Ganze wiegt unter 3 kg. Das ist besser als jedes Reisebettchen. Die Mawok Hängewiege wurde designt von der netten Schwedin Monica Landberg und ist in ihrer Heimat längst ein Geheimtipp. Wir finden diese Wiege einfach klasse und deshalb kann man sie natürlich auch über uns beziehen (an dieser Stelle sei dieser zaghafte Hinweis aus purer Begeisterung mal erlaubt):

mawok_door
zu kaufen bei LOUyLOU

Was macht Kinder glücklich?

Juni 2nd, 2010

Mein Lieblingsthema Bindung, (irgendwo entdeckte Übersetzung: “die stabile und zugewandte Elternliebe”) ist langsam aber sicher in Aller Munde und wird zum Mainstream. Das freut mich wahnsinnig, weil ich wirklich überzeugt davon bin (und die Wissenschaft ist es zunehmend auch), dass eine starke Eltern-Kind-Bindung zu einer Gewalt-freieren Erziehung führt und glücklichere Kinder macht.

Irgendwie erstaunlich an dieser ganzen Entwicklung ist schon, dass die Wissenschaft eigentlich immer nur beweist und herausfindet, dass das was unsere Vorfahren vor der Industrialisierung taten und viele Völker überall auf der Welt immer noch tun: viel tragen, viel stillen, Schlafstätte teilen, viel Zeit für Bonding….also genau das, was sensitive, ihrer Intuition folgende Eltern eigentlich immer taten, einfach richtig zu sein scheint.

Mit ausgelöst wird diese Bindungs-Euphorie durch einige neue, empfehlenswerte Werke, die hier auch noch ausführlicher besprochen werden:

Deborah Blum: Die Entdeckung der Mutterliebe. Beltz, 348 Seiten, 24,90 Euro (gibts natürlich auch bei uns im Shop: )
Die amerikanische Journalistin Deborah Blum erzählt in diesem Buch von dem außergewöhnlichen Verhaltensforscher Harry Harlow, der in den 50er Jahren Experimente mit kleinen Babyäffchen und Mutterattrappen aus Stahl machte. Er erlangte aufrüttelnde Erkenntnisse über die Beziehung von Müttern und Kindern. Durch die Ergebnisse seiner Untersuchungen öffnete er völlig ungeplant neue Wege in der frühkindlichen Erziehung.

Was sind nun also die Vorzüge einer sicheren Bindung Eltern-Kind-Bindung? Sie ist für die Ausgeglichenheit, Stressresistenz und Liebesfähigkeit im Erwachsenenalter die entscheidende Grundlage. In einer ganz normalen Frauenzeitschrift beim Zahnarzt fand ich das Zitat von Jean Paul, dem Dichter, der vor 200 Jahren schrieb: “Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten.” (Für Sie, 11/2010, S.60)

Wie erlangt man eine solche sichere Eltern-Kind-Bindung? Diese Frage hat mich zu meinem Idol Sears in die USA geführt, der sich Gedanken dazu machte, wie man eine solch sichere Bindung im Alltag mit Kind heute erreicht. Aus den Überlegung, die er zusammen mit seiner Frau zu diesem Thema machte, entstand die Erziehungsphilosophie, für die sie den Begriff “Attachment Parenting” prägten. Ein Erziehungsstil, der darauf vertraut, der elterlichen Intuition zu folgen, die Zeichen von Babys deuten zu lernen und angemessen auf seine Bedürfnisse zu reagieren. Gerade für die meisten Mütter und Väter heute, die einfach wegen ihren Jobs nicht mehr den ganzen Tag bei ihrem kleinen Kind sein können, ist das für die verbleibende wenige Zeit sehr wichtig und absolut hilfreich. Was in diesem Kontext auch einfach wichtig wird, ist die Nacht, die man super für Bonding und Attachment nutzen kann.

William und Martha haben sieben “Werkzeuge” herausgearbeitet, die zu solch einer sicheren Bindung
beitragen können:

1) Bonding nach der Geburt
2) ausgiebiges Stillen nach Bedarf (ohne Uhr)
3) viel Tragen
4) Schlafstätte teilen (im selben Raum schlafen)
5) Vertrauen darauf, dass Babys nicht ohne Grund weinen, sondern um einem Bedürfnis auszudrücken
6) Skepsis gegenüber “Erziehungsratgebern” im Stile von “Jedes Kind kann Schlafen lernen”
7) Grenzen setzen und eigene Bedürfnisse ernst nehmen

Vgl.: William und Martha Sears: The attachment parenting book: a commonsense guide to understanding and nurturing your baby. Little, Brown and Company, New York, 2001, S. 4ff.

zu kaufen bei uns im Shop (der übrigens nur aus unserer Bindungsleidenschaft heraus entstanden ist):

wie auch viele andere Produkte, die die Eltern-Kind-Bindung stärken helfen


Stillschlangen

Babytragen

Hängewiegen und Anstellbettchen

mehr tolle Ratgeber zum Thema