Warum will mein Kind nicht essen?

Juni 7th, 2013

Der Groschen, der mir durch Herr Renz-Polster fiel, schafft eine grundsätzlich andere, positivere und entspanntere Erziehungshaltung. Wir gehen heute nämlich gemeinhin von einem Defektmodell in der Erziehung unserer Kinder aus. Wir sehen Kinder als noch nicht fertige, defizitäre Menschen, die während der Kindheit viele Dinge lernen müssen, um zu einem “fertigen” Menschen zu werden. Es geht also in der Erziehung ständing darum, Defizite auszugleichen. Aus Sicht der Evolution ist das eine grundsätzlich falsche Annahme, denn der Mensch hat auf jeder einzelnen Entwicklungsstufe genau das Rüstzeug, das er braucht. Ist es zum Beispiel am Anfang des Lebens von enormer Bedeutung sprechen zu lernen, finden sich im menschlichen Gehirn genau zu dieser Zeit Voraussetzungen, die das Erlernen von Sprache wie von selbst, nach einem vorgegebenen Programm, ermöglichen. Wenig später ist das Erlernen einer Sprache nur noch mit intellektueller Anstrengung möglich. Unsere Kinder sind also in keiner Phase defizitär, sondern uns Erwachsenen in vielem haushoch überlegen! Ein solches Entwicklungsprogramm trägt der Mensch für sein ganzes Leben in sich und ist so auf jeder Stufe seines Lebens optimal gerüstet. Die Fähigkeit, philosophisch zu denken, mag zum Beispiel im Alter viel ausgeprägter sein.

Diese Erkenntnis hilft einem auch, die Phase der viel beschimpften Pubertät in einem sehr positiven Licht zu sehen. In dieser Zeit hat der Mensch wenig Angst, verheilen Verletzungen extrem schnell und gut. Wir sind neugierig, möchten die Welt verändern und verbessern. Daher wurden praktisch alle wichtigen Erfindungen der Menschheit von Jugendlichen gemacht. Die ersten Menschen, die das Feuer zähmten waren sicher in jugendlichem Alter ;) . Sobald man sich das alles klar macht, wird deutlich, dass unsere Aufgabe als Eltern viel weniger das aktive “Erziehen” sein sollte, sondern vielmehr die Schaffung eines stabilen Rahmens, der den möglichst reibungslosen Ablauf dieses von der Natur vorgegebenen Entwicklungsprogramms ermöglicht.

Was hat dies alles jetzt mit dem kindlichen Essverhalten zu tun? Bezeichnenderweise trät das erste Kapitel von Renz-Polsters Buchs den Titel “Warum Kinder keinen Broccoli mögen”. Auch beim Thema Essen tragen wir ein automatisch ablaufendes Entwicklungsprogramm in uns, das uns möglichst hohe Überlebenschancen einräumt. Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte verbrachten wir als Jäger und Sammler und daher sind wir evolutionär an diesen Lebensstil optimal angepasst. Fast alle heute gängigen Gemüsesorten wie Karotten, Broccoli, Kohlrabi und vieles mehr, sind Züchtungen der letzten 200 Jahre und in ihrer ursprünglichen, wilden Form für den Menschen ungeniessbar oder sogar giftig. Das erklärt auch, warum Inuit oder Menschen in extreme trockenen Zonen der Erde, in denen gar kein Gemüse angebaut werden konnte, durchaus nicht mangelernährt waren. Vielleicht ist unsere Annahme, dass Gemüse überlebenswichtig ist, gar nicht richtig? Die Hauptnahrungsquellen der nomadisch und halb-nomadisch lebenden Menschen waren von jeher Fisch, Fleisch und viele Knollen und Nüsse für die Kohlenhydrate. Gemüse und Beeren waren nur mal sporadisch oder gar nicht vorhanden.

Stellt man sich das Leben eines Kleinkindes in einer nomadischen oder halb-nomadischen Menschengruppe vor, so bewegte es sich natürlich sobald es krabbeln oder laufen konnte in sicherem Abstand von seiner Mutter in der Natur. Es war für das Kind überlebenswichtig, dass es eben nicht irgendwelche Blätter und Beeren wahllos in seinen Mund steckte. Vielmehr brauchte es einen eingebauten Warnmechanismus, der es vor giftigen Pflanzen schützte. Und auch die Pflanzen haben ja ein Interesse, nicht gegessen zu werden. Genau aus diesem Grund sorgen sie mit Bitterstoffen dafür, dass wir sie nicht mögen. Der Geschmackssinn des Menschen funktioniert dabei wie eine Art Kompass. Schmeckt etwas süß, weist das auf Reife und viele Kohlenhydrate hin, schmeckt etwas sauer, wissen wir, es ist entweder unreif oder verdorben, in jedem Fall kalorisch minderwertig. Schmeckt ein Kind etwas Bitteres, signalisiert dieser Geschmack Gefahr. Er weist auf Gift oder Ungenießbarkeit hin. Der Mensch braucht diesen Kompass ganz dringend, denn er  kommt von allen Säugetieren dem “Allesfresser” am nächsten. Das macht ihn sehr unabhängig von einem bestimmten Nahrungsangebot, aber dadurch gibt es keinen Instinkt, der einprogrammiert werden kann. Er muss “lernen” was ihm bekommt und auswählen – “ob gegrillte Vogelspinnen oder Fruchtzwerge”(ebd., S. 20)

Herr Renz-Polster bezeichnet die kindlichen geschmacklichen Eskapaden daher als “von der Natur vorgesehen” (ebd., S. 19), sie sind nicht unvernünftig. Dieser bei Kindern eingebaute Schutzmechanismus kann nur durch Erfahrung überschrieben werden. Wenn das Kind also immer wieder sieht, dass Broccoli trotz des bitteren Geschmacks von den Eltern geliebt und oft gegessen wird und diese davon nicht krank zu werden scheinen, dann wird es sich vielleicht irgendwann dazu hinreissen lassen, noch einmal ein ganz kleines Stückchen davon zu probieren und ihn schliesslich wahrscheinlich auch wirklich mögen. Je vorsichtiger und ängstlicher ein Kind charakterlich ist, desto länger wird es zum “Überschreiben” des Warnprogramms brauchen. Man sollte daher auch immer nur eine ganz kleine Probiermenge anbieten, wenn man ein neues Gemüse einführt und mit einem Zeitraum von mindestens zwei Wochen rechnen, bis das Gemüse akzeptiert wird.

“Fassen wir zusammen. Kinder bewerten das Nahrungsangebot nach dessen Sicherheit und nach dessen Überlebenswert: Süßes, Eiweißhaltiges und Fettes weist auf problemfreie, energiereiche “Überlebensnahrung” und wird deshalb bevorzugt. Bitteres und Saueres dagegen wird kritisch gewertet – schließlich steht es für wenig Nahrhaftes, möglicherweise Verdorbenes oder sogar Giftiges. Das führt uns zu einer erstaunlichen Erkenntnis: Dass Kinder Nutella und Pommes frites gegenüber Selleriestängeln und Spinat bevorzugen, hat einen sinnvollen Hintergrund. Wer Kalorienbomben bevorzugte, kam besser über die nächste Notzeit. Und auch der kritische Blick auf das Gemüse hat sich nicht aus Trotz gegen die Eltern entwickelt, sondern als Vorsichtsmaßnahme in einer mit giftigen Pflanzen beladenen Umwelt!”(ebd., S. 21)

Buchtipp: Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. 6. bearb. und erg. Auflage (2013). München: Kösel, ISBN-13: 978-3466308248, 512 Seiten, 19,95 Euro.

Buch von Herbert Renz-Polster

Kinder verstehen: Wie die Evolution unsere Kinder prägt (Herbert Renz-Polster)

Der Sinn der chinesischen Ernährungslehre

Mai 30th, 2013

Der Sinn der chinesischen Ernährungslehre

Als ich mit meiner ältesten Tochter schwanger war, bekam ich in der siebten Schwangerschaftswoche starke Blutungen und man sagte mir, ich würde sie verlieren. Meine Verzweiflung war unendlich und ich suchte nach jedem erdenklichen Strohhalm. Es war frustrierend von meinem Frauenarzt lediglich den Tipp zu bekommen, ich solle mich hinlegen, man wisse nicht, woher das komme und man könne nicht wirklich etwas machen außer Magnesiumtabletten zu schlucken. Ich wollte so gerne etwas tun, meinen Beitrag leisten. Von meiner chinesischen Ärztin erfuhr ich, dass ich durchaus meine “Mitte” durch entsprechende Ernährung stärken könne. Sie erklärte mir die Grundlagen der chinesischen Ernährungslehre. Das Problem an dieser uralten Lehre ist aber, dass sie auf den ersten Blick sehr komplex und undurchsichtig erscheint, wenn man es nicht gewohnt ist, in östlichen Kategorien und Bildern zu denken. Ich musste mich erst ganz schön einlesen und eindenken, und die Erfahrungen auch am eigenen Körper spüren. Überhaupt erst einmal wieder den verschütteten Zugang zu meinem Körper frei schaufeln. Seitdem habe ich mein Essverhalten völlig umgekrempelt und fühle mich viel besser. Ich kann mit dem Essen mein Wohlbefinden beeinflussen, Erkältungen abwenden, Heilungsprozesse beschleunigen und Schlafprobleme mildern.

Mir fiel zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft Barbara Temelies und Beatrice Trebuths Buch “Die Fünf Elemente Ernährung für Mutter und Kind” in die Hände. Ihr Werk ist sicherlich immer noch das Beste, was es auf dem deutschen Markt zu diesem Thema zu finden gibt.  In ihrem Ernährungsratgeber geht es um die Frage , was “eine gut ausgewogene und stärkende Ernährung für Kinder” und Schwangere eigentlich ist. Ihre Antworten orientieren sich an der Traditionellen Chinesischen Medizin und sind eigentlich ein echter Geheimtipp für jede Lebenslage. An mir selbst habe ich aber zuerst einmal gemerkt, wie sich viele Probleme, wie während der Schwangerschaft auftretendes Sodbrennen, durch chinesische Tricks gut in den Griff bekommen lassen. In ihrer Einleitung schicken die Autorinnen ihren Ernährungstipps eine interessante historische Reflektion voraus: “Seit der Entdeckung der Vitamine 1907 ist es der westlichen Ernährungswissenschaft gelungen, mittels theoretischer Erkenntnisse und Nährwertkalkulationen eine neue Ernährungslehre zu entwickeln und diese als die einzig richtige zu verkaufen, und zwar mit Hilfe einer ausschließlich gewinnorientierten Lebensmittelindustrie.” (Temelie, B.; Trebuth, B.: Die Fünf Elemente Ernährung für Mutter und Kind, Joy-Verlag 1994, S. 11)

Die Ratschläge, die die Ernährungsindustrie mit Verweis auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse erteilt, lauten, im Winter viele Südfrüchte gegen Erkältung zu essen, den kindlichen Vitamin-C-Bedarf durch viel Orangensaft zu decken, den Calcium-Bedarf in der Schwangerschaft durch einen hohen Milchprodukt-Konsum, den Vitaminbedarf durch tiefgefrorenes Gemüse zu decken und viel Rohkost gegen Krebs zu essen (vgl. ebd. S. 12). Nach Meinung der Autorinnen führen all diese Ratschläge auf Dauer zu einer Verdauungsschwäche und Energielosigkeit, die dann oft besonders in der Schwangerschaft ersichtlich wird und bei jungen Frauen durch ihr Bemühen möglichst “richtig” und “gesund” zu essen und durch viele Diäten während der Pubertät, besonders stark ins Gewicht fallen.

Am deutlichsten wurde mir das alles bei meinen Selbstversuchen zu “kühlenden” und “wärmenden” Nahrungsmitteln. Wenn euch richtig heiß ist, setzt euch hin und esst Wassermelone und horcht in euch hinein. Ihr werdet merken, dass Wassermelone, tatsächlich den Körper irgendwie herunterkühlt und bei Hitze Erleichterung verschafft. Umgekehrt lässt sich an Ingwer zum Beispiel erspüren, wie er den Körper wärmt.

Kaum waren mir all diese Groschen während meiner ersten Schwangerschaft gefallen, wollte ich natürlich auch bei meinen Kindern einen guten Grundstein legen, was ihre Ernährung betraf. Ich wollte durch die richtige Ernährung die Basis für eine stabile Gesundheit legen. Doch alles sollte anders kommen:

Meine älteste Tochter ist eine ganz schwierige Esserin. Von Anfang an fühlte ich mich in Bezug auf ihr Essverhalten als Versagerin und suchte verzweifelt nach Rat. Dabei hatte ich mir  so viel Mühe gegeben, alles richtig zu machen:

Barbara Temelie und Beatrice Trebuth geben aber auch viele Tipps zum Abstillen und raten zu einer ersten kindlichen Kost, die der Muttermilch möglichst ähnlich ist und daher gut verdaulich für das Kind. Sie empfiehlt die Zubereitung eines Reisschleims: dazu wird Reis sehr lange gekocht, bis er fast zu Brei geworden ist und dann durch ein Sieb gestrichen. Natürlich beherzigte ich all ihre Ratschläge und kochte Reisschleim, den ich meiner Tochter schmackhaft zu machen versuchte. Ich befolgte auch andere allgemein-übliche Ratschläge und fing mit der ganzen Operation an, als sie genau sechs Monate alt war. Zu meinem Leitwesen stieß das alles auf extrem wenig Gegenliebe. Weder Reis noch Kürbis noch sonst irgendetwas führten zum Erfolg. Meine Tochter mochte einfach nur an meiner Brust trinken und ich war verzweifelt und wusste nicht weiter.

Wahrscheinlich war meine Beflissenheit ein Grund für mein “Scheitern”, denn meine Tochter spürte, wie wichtig mir dieses Thema gerade wegen meiner persönlichen Erlebnisse war und jedesmal, wenn es um Essen ging, lag Spannung und Stress in der Luft. Da schien ein Problem zu existieren, bei dem es nicht darum ging, was ich zu essen anbot, sondern um das wie ich das tat. Es war damals keine Hilfe in Sicht und ich hangelte mich mit Muttermilch, Reisschleim und Milchpulver von Woche zu Woche bis meine Tochter gut über ein Jahr alt war.

Vor einigen Wochen hatte ich dann das große Glück Herr Renz-Polster (Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt, München: Kösel-Verlag 2009) auf einem Vortrag während des AFS-Stillkongress in Köln hören zu dürfen. Ich lauschte besonders gebannt bei seinen Ausführungen über das kindliche Essverhalten aus Sicht der Evolution, denn sie waren eine Offenbarung. Ich hätte mir gewünscht, dass meine inzwischen 10jährige Tochter auch da gewesen wäre. Ein Stein wäre von ihr gefallen, den das Thema richtig und gesund essen beschäftigte uns beide immer noch und stand wie ein unüberwindbarer Berg zwischen uns. Ich fühlte nach wie vor, dass ich auf diesem Gebiet versagt hatte. Sie fühlte sich als “schlechtes” Kind, das kein Gemüse essen mag und sich ungesund ernährt. Seit dem Vortrag von Herr Renz-Polster ist ein solches Gewicht von uns beiden genommen worden und ich habe den zarten Eindruck, dass sie sich dem Thema Gemüse seitdem sogar langsam und zaghaft öffnet. Der alte Spruch, dass Druck Gegendruck erzeugt scheint einfach grundsätzlich zu stimmen.  Erst jetzt, durch mein vermehrtes Wissen um die Evolution und wie sie unser Essverhalten prägt, ist es mir möglich, keinen Druck mehr auszuüben. Wie das genau passierte, erfahrt ihr an dieser Stelle nächste Woche….

Buchtipp: Barbara Temelie & Beatrice Trebuth: Die Fünf Elemente Ernährung für Mutter und Kind: Umfassende Ernährungsempfehlungen für Kinder, werdende Mütter und Eltern. Mit neuen Anregungen aus der fernöstlichen Psychologie.  ISBN: 978-3928554091, 13. Auflage (2009), Joy-Verlag, 240 Seiten, Taschenbuch, 17,95 Euro.

Die Fünf Elemente Ernährung für Mutter und Kind

Buch: Die Fünf Elemente Ernährung für Mutter und Kind

Die physiologischen Vorteile des Tragens

April 29th, 2013

Durch alle erziehungstheoretischen Debatten zieht sich die Forderung nach mehr Bewegung im Alltag unserer Kinder, denn immer häufiger werden psychosoziale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten auch auf ein Bewegungsdefizit im Leben unserer Kinder zurückgeführt. Durch diesen Mangel an Bewegung wird ausserdem das kindliche Bedürfnis nach Eigentätigkeit immer weniger beantwortet. Der Montessori-Pädagogik haben wir es wohl zu verdanken, dass erstmals das Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Bewegung und der seelisch-körperlichen Entwicklung von Kindern gerichtet wurde. Ich möchte in diesem Artikel darauf aufmerksam machen, dass auch das frühe und ausgiebige Tragen von Säuglingen ein entscheidender erster Schritt zu mehr Bewegung im kindlichen Alltag sein kann und somit ein wichtiges Mittel sowohl der frühkindlichen motorischen Förderung als auch der kognitiven Entwicklungsförderung darstellt.

Während ein Säugling im Tragetuch sitzt, sind seine Muskeln ständig in Bewegung, um sich dem Tragenden anpassen zu können. Abgesehen davon, dass so die Muskeln gefordert werden, findet auch eine tiefensensomotorische Stabilisation der Wirbelsäule statt. Wichtig ist, dass die Tragehilfe so beschaffen ist, dass sie den Rücken des Babys optimal stützt. Das Baby sollte eine altersangemessene Rundrückenhaltung im Tuch einnehmen können, so dass nicht zu viel Gewicht auf seiner Wirbelsäule lastet und doch stramm sein, um einen festen Halt zu geben. Ich rate daher von Tüchern aus einem dehnbaren Material ab, weil sich darin der Rücken zu sehr rundet, und das Baby mit der Zeit beim Erwachsenen immer tiefer rutscht, was Rückenschmerzen verursachen kann.

Das Tragen unterstützt die Entwicklung des kinästhetischen Systems, d.h. des Bewegungs-, Kraft- und Stellungssinns. Stütz-, Halte- und Zugkraft werden dabei trainiert. So werden optimale Voraussetzungen für das Krabbeln geschaffen, denn beim Krabbeln werden diese Kräfte benötigt, genauso wie eine gute Bauchmuskulatur, die auch beim Sitzen in einer Trage angesprochen wird. Die Haltung, die das Baby im Tragetuch einnimmt, kann es optimal sowohl auf den Unterarmstütz als auch auf den Vierfüßlerstand vorbereiten.

Ein Säugling im Tragetuch bewegt sich mit dem Erwachsenen durch den Raum und kann so Erfahrungen sammeln, die ihm auf dem Boden liegend verwehrt blieben. Er bekommt ein Gefühl für den Raum, für Entfernungen, für die nötigen Kraftaufwendungen. Sein Gleichgewichtssinn wird auf diese Weise ebenso sehr früh geschult.

Noch zu erwähnen ist hier auch die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit. Das Baby kann aus der Trage heraus alles beobachten was ein Erwachsener so tut und daraus lernen. Ständig werden dabei mehrere Sinne angesprochen, die unter einem Mobile liegend nicht angesprochen würden.

Schon vielerorts wurde auf die positiven Auswirkungen des Tragens bei einer Deformation des Hüftgelenks, der Hüftdysplasie, hingewiesen. Allerdings kommt man nur dann in den Genuss dieser Hilfe, wenn man bei der Anschaffung der Tragehilfe darauf achtet, dass das Kind eine “gute” Haltung einnehmen kann. Die Beine dürfen nicht “herunterhängen”, sondern müssen in einem Winkel von 90 Grad abgespreizt werden können. Bei guten Tragehilfen wie dem Ergo-Baby-Carrier, der Manduca oder der Emei ist das der Fall. Bei vielen gängigen Tragen auf dem Markt allerdings nicht.

Ein Baby zu tragen, bedeutet also nicht nur möglichst schnell von A nach B zu gelangen, sondern kann viel umfassender als eine sensomotorische Schulung und Förderung betrachtet werden. Über die ganz banale Erleichterung des elterlichen Alltags nebenbei kann man sich trotzdem nicht zu knapp freuen: in letzter Sekunde einen Bus erwischen, die Geschirrspülmaschine ein- oder ausräumen, obwohl das Baby gerade alleine auf seiner Decke nicht zufrieden ist, dem älteren Kind ein Buch vorlesen oder den Tisch decken. All das schafft Erleichterung im Alltag, bedeutet für ein Baby im Tragetuch einen Schatz an gemachten Erfahrungen und ist aus physiologischer und psychologischer Sicht nur zu unterstützen.

Baby in emei Babytrage

Schnuller, ja oder nein?

Februar 15th, 2013

Stillen ist eine gute Sache. Da sind sich alle einig, und es ist ja auch erwiesen, dass Stillen praktisch und gesund ist, die Mutter-Kind-Beziehung festigt und Allergien vorbeugt. Auch ich bin froh, meine Kinder ausgiebig gestillt zu haben und möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen.

Allerdings hat mich meine Stillbegeisterung oft in einen Gewissenskonflikt mit dem Schnuller gebracht: führt die Benutzung eines Schnullers zu einer Saugverwirrung bei meinem Kind? Trinkt mein Kind vielleicht zu wenig, wenn ich ihm bei jeder Gelegenheit einen Schnuller anbiete? Führt der Schnuller zu einer Fehlstellung der Zähne und ist er nicht ein unzulässiges Hilfsmittel, wenn ich doch die echten Bedürfnisse meines Kindes nach Zuwendung oder Trinken stillen möchte?

Ich bin besonders durch die Ausführungen meines verehrten Prof. Dr. Schievelhöfers jedoch dazu gelangt, über den Schnuller noch einmal zu reflektieren. Die Frage stellt sich, ob nicht das Saugen an sich ein Grundbedürfnis von Säuglingen ist, und ob dieses Grundbedürfnis ohne einen Schnuller in unserem kulturellen Umfeld nicht doch schwer zu stillen ist.

Prof. Schievelhöfer hat bei dem Volk der Epo auf Papua untersucht, wie lange Säuglinge an der Brust ihrer Mutter saugen: im Durchschnitt darf ein Epo-Säugling 16 Stunden an der Brust nuckeln. Das findet natürlich nicht nur im Liegen statt. Es geschieht im Liegen, Sitzen, Gehen. Interessanterweise gibt es in der Sprache der Epo zwei Ausdrücke für das Saugen an der Brust. Der eine bezeichnet das wirkliche Trinken, der andere das rein beruhigende Nuckeln. Diese Beobachtungen führen mich zu dem Schluss, dass auch dieses beruhigende “an der Brust Nuckeln” ein Grundbedürfnis zu sein scheint, dem wir bei unserer Lebensführung ohne Schnuller nur schwer gerecht werden können. Und diese Beobachtungen erklären auch, warum die meisten Kinder bei uns mit und nicht ohne Schnuller groß werden, obwohl wir alle mit dem Schnuller hadern und von Stillberaterinnen zurecht davor gewarnt werden. Ein Zuviel an Schnuller kann daran schuld sein, dass die Milchproduktion nachlässt, weil die Brust nicht genug stimuliert wird. Und es scheint auch so zu sein, dass das Schnullern Mittelohrentzündungen begünstigt. Hier sind die Zusammenhänge aber wohl noch nicht endgültig geklärt.

Die zu frühe Benutzung des Schnullers kann jedoch tatsächlich zu einer Saugverwirrung beim Baby führen. Da die Epo ja in beiden Fällen die Brust anbieten, bleiben sie von dieser Problematik verschont. Wir müssen uns jedoch dazu Gedanken machen, sofern wir nicht 16 Stunden am Tag unsere Brust hin halten möchten ;)

Der sehr pragmatische Dr. William Sears weist in seinem Baby Book (Sears: Baby Book, New York: Little, Brown and Company, 2003) ebenfalls auf das ausgeprägte Saugbedürfnis von Babys hin. Bereits im Mutterleib kann man beobachten, dass Babys ausgiebig an ihren Daumen nuckeln, um sich zu beruhigen. Er bezeichnet das Saugen als das dritte Grundbedürfnis eines Säuglings neben dem Getragen-werden und dem Trinken und erwähnt auch, dass Frühchen sich besser entwickeln, wenn sie an Schnullern nuckeln dürfen. (Vgl. Sears: Baby Book, S. 90)

Die entscheidende Vorsichtsmaßnahme, um eine Saugverwirrung zu vermeiden, ist, nicht zu früh mit dem Schnuller anzufangen. Die Saugtechnik des Trinkens an der Brust entscheidet sich stark von der Nuckeltechnik an einem Schnuller und ein Baby muss das richtige Saugen an der Brust erst “lernen”, bevor es sich mit dem Schnuller vergnügen sollte. Bei ganz kleinen Säuglingen sollte daher die mütterliche Brust erst einmal das Einzige sein, was es im Mund hat. Bei einem sehr ausgeprägten Saugbedürfnis von Anfang an, bietet man lieber ab und zu den kleinen Finger an, um eventuellen wunden Brustwarzen eine Pause zu gönnen. Aus den selben Gründen sollte auch damit gewartet werden, Milch aus der Flasche anzubieten.

Um die richtige Trinktechnik an der Brust zu entwickeln, muss sich ein kleiner Säugling erst einmal ganz schön ins Zeug legen. Das Baby muss seinen Mund sehr weit öffnen, um den ganzen Hof der Brustwarze in den Mund zu bekommen. Bei Schnullern reicht es, den Mund ganz leicht zu öffnen und schon ist er aufgrund seines geringen Durchmessers drin. Die Nuckeltechnik für einen Schnuller ist aber leider zum Trinken an der Brust völlig ungeeignet und führt in Windeseile zu sehr wunden Brustwarzen und sorgt dafür, dass das Kind nicht genug Milch bekommt. Aus all diesen Gründen rät Dr. Sears dazu, mit dem Schnuller erst dann anzufangen, wenn es mit dem Stillen einwandfrei klappt.

Hat sich die Stillbeziehung eingespielt, kann euch natürlich passieren, was mir mit meinen drei Töchtern passierte: Sie wollten alle drei nach der warmen, weichen Brusterfahrung von diesem kalten, nach Plastik schmeckenden Ding gar nichts wissen und kapierten dann wiederum nicht, wie man eigentlich an so einem Schnuller saugen muss. Viele Mütter von nach Bedarf gestillten Kindern haben mir berichtet, dass ihre Babys partout keinen Schnuller wollten. Es mag also sein, dass das Grundbedürfnis zu Saugen bei nach Bedarf gestillten Kindern auch in unserer Kultur ausreichend befriedigt ist.

Meine große Tochter hatte aber vor allem ein sehr ausgeprägtes Saugbedürfnis, und ich war verzweifelt, weil meine Brustwarzen völlig wund waren. Ich ging in die Drogerie und in den Bioladen und kaufte jedes erdenkliche Schnullermodell, das es auf dem Markt so zu finden gab. Egal, welche Form er hatte und aus welchem Material er war – er fiel ihr nach einer Sekunde aus dem Mund, weil sie außer der Trinktechnik an der Brust noch nichts gelernt hatte.

Meine Schwiegermutter kam mir damals zur Hilfe, indem sie erst ihren kleinen Finger anbot. Sie ließ sie eine Weile am Finger (der Nagel sollte ganz kurz geschnitten sein und in Richtung Zunge des Babys zeigen) nuckeln, steckte den Schnuller dann in ein Glas mit abgekochtem, lauwarmem Wasser und versuchte immer wieder, möglichst nahtlos den Finger durch den Schnuller zu ersetzen. Siehe da, es klappte! …allerdings nur bis zu einem Alter von sieben Monaten. Da hatte sie einen schlimmen Schnupfen und merkte, dass es sich mit Schnuller im Mund schlecht durch den Mund atmen lässt. Sie wollte ihn danach nie mehr sehen. Im Rückblick muss ich allerdings eindeutig feststellen, dass die kurze Zeit mit Schnuller wesentlich einfacher war, als die ohne. Es gibt so viele Situationen im Alltag, bei denen ein Schnuller Gold wert ist. Autofahrten, Einkaufen und auch nachts zur Überbrückung kurzer Aufwachphasen. Ich würde gerne mal eine Epo-Frau fragen, ob sie gut schlafen kann, während ihr Kind an der Brust nuckelt. Ich habe das nur bei extremer Müdigkeit geschafft und war nachts schon oft ungehalten, wenn stundenlang an meiner Brust gesaugt wurde, ohne dass ein Tropfen Milch heraus kam. Aber bei den Epo klingelt – zumindest noch – wohl auch kein Wecker morgens. Man braucht für 16 Stunden Brust-Hinhalten eine gewisse Grundruhe, die uns leider abgeht.

Mag ein Säugling seinen Schnuller, sollte man jedoch immer wieder hinterfragen, ob man ihn wirklich als Beruhigungshilfe für sein Baby einsetzt und nicht als Ersatz für echte Zuwendung missbraucht. Erst wenn man sicher ist, dass das Baby nicht hungrig ist, die Windel voll hat oder getragen werden möchte, sollte man den Schnuller anbieten. Das ist mindestens genauso schwer, wie bei größeren Kindern, die beiden Bestechungsmittel Fernsehen und Süßkram mit Bedacht einzusetzen. Sears weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass – wann immer möglich – bei der Beruhigung eines Säuglings eine Person involviert sein sollte: “When baby cries, if you find yourself, by reflex, reaching for the pacifier instead of reaching for your bay, pull the plug – an lose it.” (Baby Book, S. 91)

Genau aus diesem Grund sollte man auch darauf verzichten, den Schnuller über einen längeren Zeitraum als Hilfsmittel der Beruhigung einzusetzen. Die Chance, dass ein anderes, tiefer liegendes Problem überdeckt wird, ist schon sehr groß. Vielleicht braucht mein Kind eigentlich mehr Nähe, mehr Zuwendung oder Ruhe? Der Schnuller verleitet dazu, nicht nachzuhaken.

Eine Schwierigkeit bei der ganzen Schnullergeschichte ist jedoch sicherlich auch das Abgewöhnen. Bei meinen beiden kleineren Töchtern hat das dann erst leicht geklappt, als sie schon längst in die Kita gingen und sich vor den anderen Kindern blöd vorkamen. Ich glaube, das war so mit zwei Jahren, eventuell auch etwas später. Die Schnullerfee musste mehrfach angeflogen kommen und größere Belohnungen mitbringen. Aber wie bei allen Entwöhnungen war da denke ich die elterliche Entschlossenheit entscheidend. Erst wenn ihr wirklich sicher seid, dass es an der Zeit ist, wird es klappen. Kinder spüren meiner Erfahrung nach ganz genau wie ernst es den Eltern mit etwas ist. Da kann man ihnen nichts vormachen. Man muss sich also erst hinterfragen, ob man selbst schon bereit ist, auf dieses Hilfsmittel der Beruhigung zu verzichten, denn es bedeutet – zumindest für die Zeit des Übergangs – vermehrte echte Zuwendung.

Über die Vorzüge des Stillens ist längst alles bekannt. Aber selbst das Nuckeln an einem Schnuller hat glücklicherweise physiologische Vorteile. Durch das viele Saugen wird vermehrt Speichel produziert und dieser hilft wiederum bei der Verdauung und wirkt so gegen Bauchschmerzen und sogar gegen Reflux.

Wie muss nun ein guter Schnuller sein? Ein guter Schnuller sollte aus einem Stück hergestellt sein, damit er nirgends brechen kann. Er sollte gewährleisten, dass das Baby ihn weit in den Mund nehmen kann und er sollte leicht zu säubern sein. Man kann ihn auch in der Spülmaschine reinigen. Das breite Mundstück sollte Luftlöcher haben, damit das Baby möglichst durch die Nase atmen kann. Bei der Wahl der optimalen Form scheint es keinen Stein der Weisen zu geben. Am besten man probiert alle möglichen Formen mal aus und lässt das Baby entscheiden.

Ich komme also zu dem Schluss, dass Babys ein mehr oder weniger ausgeprägtes echtes Saugbedürfnis haben und die Hilfe eines Schnullers daher, nachdem das Stillen reibungslos klappt und mit viel Bedacht eingesetzt, sinnvoll sein kann. Man sollte jedoch keinesfalls zu früh damit anfangen, denn der Säugling muss erst sicher in der Saugtechnik an der Brust sein. Vor dem Anbieten des Schnullers sollte man sich immer fragen, ob ein anderes Bedürfnis als das reine Saugbedürfnis gerade im Vordergrund stehen könnte. Das mit dem Schnuller ist wie mit allen praktischen Ersatzstoffen im Leben: manchmal hilfreich, aber das Wahre und Echte ist halt doch am schönsten. Honig schmeckt ja auch besser als Süßstoff….

 

 

 

Wie wir unser Kind durch unser Verhalten in der Schwangerschaft prägen

November 6th, 2012

Schwangerer Bauch

Eine liebe Freundin ist nach langem Hoffen endlich schwanger und ich habe mich so über diesen kleinen, gewölbten Bauch gefreut, dass ich darüber nachdenken musste, was da drin wohl momentan genau abgeht: wie viel bekommt so ein kleines wachsendes Wesen denn wirklich mit? Und wieviel bekomme ich als Mutter von dem mit, was mein Kind im Bauch mitbekommt? Fragen über Fragen….Was ist da der neueste Stand der Forschung?

Aus meinen eigenen Schwangerschaften erinnere ich mich erstens, dass jede völlig anders war und sich nichts verallgemeinern lässt. Während ich mit meiner ersten Tochter schwanger war, war ich zum Beispiel sehr, sehr geräuschempfindlich. In den Schwangerschaften danach wesentlich weniger. Dieses erste Kind ist bis heute ein eher ruhiger, geräuschempfindlicher Mensch, der sich auch gerne mal bei zu viel Trubel zurückzieht. Sie muss mir diesen Wesenszug also irgendwie schon als Ungeborene im Mutterleib vermittelt haben? Sie hat es irgendwie geschafft, mir dieses Bedürfnis zu kommunizieren, aber wie? Oder ist es doch nur mein eigenes Bedürfnis gewesen? Was “weiss” so ein Fötus eigentlich schon?

Der Belfaster Psychologe Peter Hepper fand schon 1988 heraus, dass schon Ungeborene im Mutterleib sich Melodien einprägen können: “bereits vor der Geburt also hat der werdende Mensch ein Gedächtnis und ist zum Lernen fähig.” (Katharina Kramer: Die Welt des Ungeborenen, In: GEO kompakt, Nr. 17, Kindheit. Die wichigtigsten Jahre im Leben, S. 26) Diese Erkenntnis scheint uns heute schon selbstverständlich. Sie ist aber eigentlich brandneu. Noch bis in die siebziger Jahre glaubte man, dass das Kind im Mutterleib taub und blind sei, weder ein Gedächtnis habe noch die Fähigkeit zu lernen. Viele Ärzte gingen daher davon aus, dass sie auch kein Schmerzempfinden haben und operierten Frühgeborene daher ohne Narkose. (Vgl. ebd, S. 26)

In der Reihenfolge in der sich seine Sinne entwickeln unterscheidet sich der menschliche Fötus nicht von anderen Säugetieren und Vögeln. Zuerst bilden sich Gleichgewichts- und Bewegungssinn heraus, darauf folgen das Tasten, das Riechen und das Schmecken, bevor das Hören und am Schluss das Sehen sich entwickeln. Alle Sinne funktionieren bereits ab dem mittleren Schwangerschaftsdrittel. Über das Hören nimmt der Fötus besonders intensiv Kontakt zu seiner Umwelt auf, und das schon ab der 27. Schwangerschaftswoche. Besonders bei besonders lauten Geräuschen ab 110 Dezibel lassen sich Stresssymptome bei Ungeborenen nachweisen. Biologisch macht all das natürlich viel Sinn, denn so wird das ungeborene Kind schon im Mutterleib auf das Leben da draussen vorbereitet und geprägt. Der Fötus lernt pränatal sehr viel: Geräusche und auch Gefühle lernt es schon kennen. Besonders natürlich die Reaktionen seiner Mutter. “Ihre Stimme ist das Eindrucksvollste, was der Fötus im Uterus hört.”(ebd., S. 27) Wirbelsäule und Beckenknochen der Mutter dienen hierbei wie Verstärker für den Fötus. Die Beckenschalen geraten interessanterweise zwischen 2500 und 3000 Hertz in Schwingung, und das entspricht genau der Frequenz von Frauenstimmen. Das Kind lernt also die Stimme seiner Mutter schon im Mutterleib lieben. Auch die Geräusche ihrer Körperfunktionen lernt der Fötus schon schätzen: die ihres Herzschlags, ihres Darms und Magens, das Rauschen des Blutes, ihes Atems. All diese Geräusche vermitteln Geborgenheit und beruhigen das Baby daher auch sehr nach der Geburt.

Von den Geräuschen da draussen hört das Ungeborene wesentlich weniger, denn sie müssen ja erstmal durch die Bauchwand, den Uterus und das Fruchtwasser dringen. Von den Aussengeräuschen hört der Fötus hauptsächlich die tiefen Frequenzen. Daher hört er Männerstimmen von dort besser als Frauenstimmen. (vgl. ebd., S. 28)

Die Entwicklungspsychologin Robin Panneton Cooper von der Virginia Tech University spielte zwei Tage alten Säuglingen Aufnahmen mit spanischen oder englischen Texten vor. Je nach Nuckelart konnten die Babys die eine oder die andere Aufnahme nochmal anhören: sie entschieden sich immer für ihre Muttersprache.

Auf seine spätere Umgebung eingestellt wird das ungeborene Menschenkind auch schon über Gerüche und Geschmacksstoffe. Alles, was die Mutter isst und riecht geht als Aroma in das Fruchtwasser über und stimuliert dort die Geruchs- und Geschmacksrezeptoren des Fötus. Am Ende der Schwangerschaft trinkt das Ungeborene auch regelmäßig Fruchtwasser. Wenn man Neugeborene an in der Schwangerschaft von der Mutter viel konsumierten Dingen riechen lässt, reagieren sie daher mit Begeisterung. Bei ihnen unbekannten Gerüchen mit Gleichgültigkeit oder Abscheu. (vgl., ebd. S. 29) Damit ein Neugeborenes gleich den Weg zur mütterlichen Brust findet, hat die Natur es so eingerichtet, dass sich Aromen aus dem Fruchtwasser auch in der Muttermilch finden.

Auch die von der Mutter während der Schwangerschaft zu sich genommene Nahrungsmenge schafft Dispositionen beim späteren Kind. Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft sehr wenig isst, “weil sie hungert oder eine Diät macht, wird das Verdauungssystem des Fötus auf eine optimale Verwertung geringer Nahrungsmengen ausgerichtet.” (ebd. S. 29) Daher sieht man wohl auch häufiger schlanke Mütter mit dicken Kindern. Ein Grund dafür können Diäten der Mutter während der Schwangerschaft sein.

Auch der Stressanfälligkeit von uns Menschen wurde schon im Mutterleib der Weg geebnet. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass sich ganz normaler Alltagsstress eher positiv auf die spätere kindliche Entwicklung auswirkt, denn starke Stimmungsschwankungen der Mutter mögen die optimale Vernetzung von Synapsen im Gehirn stimulieren und fördern die neuronale Entwicklung des Fötus. (vgl., ebd. S. 29f.) Sehr lange extrem niedergeschlagen sollte eine Mutter während der Schwangerschaft jedoch nicht sein, denn dann gelangt zu viel des Stresshormons Cortisol in den Körper des Ungeborenen. Der Fötus gewöhnt sich an einen hohen Cortisolspiegel in seinem Blut und wird sein ganzes Leben lang versuchen, diesen hohen Pegel zu halten. Solch ein erhöhter Cortisolspiegel kann dann später zu ADHS führen. (vgl., ebd. S. 30)

 

Man nennt solche Prozesse im Mutterleib unter Wissenschaftlern auch “fötale Programmierung”: die Körperfunktionen eines Menschen werden auf diese Weise ein Leben lang irreversibel bestimmt.

 

Fazit ist also, dass wir durch unser Verhalten während der Schwangerschaft schon ganz schön entscheidende Weichen für unser Kind stellen. Durch unser Essverhalten schaffen wir gewisse Vorlieben und Abneigungen. Durch einen hohen Stresslevel während dieser Zeit, schaffen wir eine Disposition zu einem hohen Stresslevel bei unserem Kind.

…und trotz allem sollte diese Zeit des Kindes im Mutterleib auf keinen Fall überbewertet werden. Es bleibt immer beim Menschen – glücklicherweise! – sehr viel Raum für spätere Veränderungen. Babys vergessen wie alle Menschen  auch schnell wieder: spielt man ihnen eine Melodie vor, die sie bereits aus dem Mutterleib kannten, erkennen sie diese einige Tage nach der Geburt noch wieder. Einige Wochen nach der Geburt jedoch zeigen sie keine Zeichen des Wiedererkennens mehr und scheinen die Melodie vergessen zu haben.

Das Wichtigste ist wohl vor allem eine positive Grundhaltung der Mutter:   Gerhald Hüther weist darauf hin, dass es nicht entscheidend ist, was eine Mutter während der Schwangerschaft macht, sondern welche Begeisterung sie dabei empfindet. Mit ihrer Begeisterung steckt sie ihr Kind nämlich garantiert an.

Buchtipps:

Gerald Hüther, Inge Krens: Das Geheimnis der ersten neun Monate – Unsere frühesten Prägungen, Patmos.

Lesley Regan: Meine Schwangerschaft Woche für Woche. Medizinischer Hintergrund und Ratgeber, Dorling Kindersley.

Warum die bindungsorientierte Erziehung Früchte trägt oder wie diszipliniere ich Kinder am besten?

Oktober 26th, 2012

Ich muss ja zugeben, dass ich am Anfang meiner “attachment parenting”-Phase doch von einem starken missionarischen Eifer getrieben war. Jeder schwangeren oder auch postpartalen Freundin, die mir einigermaßen empfänglich schien, schenkte ich sofort das “Babybook” von William und Martha Sears. Meist fand es sehr großen Anklang, einmal jedoch erinnere ich mich an einen Einwand, der im Zusammenhang mit der bindungsorientierten Erziehung häufig kommt: “das stellt mir das Kind viel zu sehr in den Mittelpunkt und die Bedürfnisse der Eltern zählen gar nichts”.

Einerseits mag es daran liegen, dass Herr Sears von Haus aus Kinderarzt ist, und daher natürlich dazu neigt, alles aus der kindlichen Perspektive zu betrachten. Andererseits ist es natürlich so, dass die bindungsorientierte Erziehung zumindest in den ersten Lebensmonaten auf sehr viel Nähe zum Baby basiert und den Eltern damit tatsächlich einiges abverlangt. Aber mal ganz unter uns: so ein kleines Baby braucht uns sowieso, egal ob wir es mal schreiend auf dem Bett liegen lassen, um aufs Klo zu gehen oder es in einem Tragetuch friedlich schlummernd mit aufs Klo nehmen. Frei und selbstbestimmt gehen wir in dieser ersten, heissen Phase nun mal nirgendwo hin. Warum also nicht gleich die Not zur Tugend machen und sich in dieses Schicksal fügen, es akzeptieren und die Nähe vorbehaltlos zulassen? So ein kleines unreifes Menschenbaby kann am Anfang ohne unsere Hilfe rein gar nichts. Auch wenn es manchmal schwerfällt und man daran zweifelt, ob dieser symbiotische, doch auch oft einengende Zustand irgendwann wieder aufhören wird?

 

Ich möchte euch hier an dieser Stelle Mut machen, den symbiotischen Zustand der ersten Jahre weitgehend durchzuhalten, denn ich kann nun nach zehn Jahren Erziehung meiner drei Kinder mit Bindungsideen im Kopf und im Herzen sagen: es lohnt sich! Ihr werdet die Früchte des mit dem Tragetuch überall-Hingehens ernten und später einen viel besseren Zugang zu euren Kindern haben. Da ist eine Verbindung und eine Nähe, ein grundsätzliches Vertrauen entstanden, das nichts und niemand euch mehr nehmen kann. Sears schreibt dazu auch in seinem ebenfalls sehr empfehlenswerten “discipline book”, wie man durch den Stil des Attachment Parenting eine tiefe Bindung zu seinem Kind aufbaut, wie er einen befähigt, sensibel auf die kindlichen Bedürfnisse zu reagieren, sie richtig zu interpretieren, zu spüren, was altersangemessen ist und was nicht und wie man seine Reaktionen in einen natürlichen Fluss bringt. Je mehr wir am Anfang “reinbuttern”, desto weniger müssen wir später disziplinieren. (Vgl. William and Martha Sears: The discipline book: everything you need to know to have a better-behaved child – from birth to age ten. Boston, New York, London: Little, Brown and company, 1995, S. 1)

Ich erinnere mich an zahlreiche Situationen, interessanterweise besonders mit meinem achtjährigen “Sandwich-Kind”, in denen ich anfangs nicht wusste, was falsch lief, warum sie bockig oder “undiszipliniert” war. Erst werde auch ich natürlich ungehalten, zum Beispiel, als sie neulich anfing, sich aus lauter Schulfrust auf den Küchenboden zu werfen und völlig hysterisch rumzuheulen: sie wolle nicht mehr in die Schule und alles sei doof, im besten Fall wolle sie die Schule wechseln…Die letzten Noten sprachen auch dafür…. Offensichtlich lief gerade irgendwas nicht so ganz rund. Mein erster Impuls war zu schimpfen, zu sagen, wie faul sie sei und wie schlampig. Dass auf die Art natürlich nur Schlechtes aus der Schule werden würde. Dass sie auch mal ihren Arsch plattdrücken müsse usw.. Ich war sowieso schon auf Hundertachtzig wegen dem üblichen Chaos bei uns zu Hause. Doch dann setzte ich mich aus reiner Erschöpfung mal schnell auf den Küchenschemel und sah mein Kind an: da war was wirklich Verzweifeltes, Einsames, Überfordertes – und ich wusste ja auch, dass 99,5% aller Kinder in diesem Land garantiert schlau genug für die Regelschule sind. An ihrer Intelligenz lag es bestimmt nicht. Da war was anderes…und auf einmal mit diesem Funken Mitgefühl in mir und mit diesem genauen Blick auf mein Kind, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ihre heiß und innig geliebte Horterzieherin war seit dem Sommer nicht mehr da. Sie war beim Hausaufgaben-Machen im Hort jetzt auf sich gestellt und damit völlig überfordert. Außerdem “liebte” sie im Hort jetzt auch niemand mehr. Es lag auf einmal so klar vor mir und ich äußerte meine Vermutung auch laut. Plötzich funkelte da was in den Augen meiner Tochter: Erleichterung, Dankbarkeit, Liebe zu mir. Es war phantastisch. Wie eine Erlösung – und so einfach. Sofort fanden wir zusammen Lösungen: dass ich sie etwas früher abholen würde, dass wir vor Tests nochmal kurz zusammen üben, dass sie es erstmal aber alleine im Hort versucht, dass ich mal mit ihrer Lehrerin spreche und ihr den Abschiedsschmerz von der Erzieherin erkläre.

Der Zusammenhang zur bindungsorientierten Erziehung am Lebensanfang mag jetzt nicht völlig auf der Hand liegen. Aber es ist einfach so, dass durch die Nähe, die man Anfang zulässt, erst die Fähigkeit entsteht, genauer hinzugucken und vor allem, mit Empathie hinzugucken und ohne Schuldzuweisung. Durch diese Nähe entsteht eine andere Beziehung zum Kind und durch diese Beziehung werden die üblichen Disziplinierungstechniken, die hier und dort beschrieben werden völlig überflüssig. Im landläufigen Sinn gibt es drei verschiedene Arten solcher Disziplinierungs- oder Erziehungsstile: den autoritären Stil, den kommunikativen Ansatz und den verhaltensmodifizierenden Zugang. All diese Stile haben ihre Berechtigung, keiner ist jedoch umfassend genug, um für sich alleine stehen zu können.

Der autoritäre Stil beispielsweise hat den Nachteil, dass er nur funktioniert, solange die disziplinierenden Personen da sind. Das Kind gehorcht nicht aus dem Wunsch heraus, zu gefallen, sondern aus Angst vor Bestrafung. Sobald keine Bestrafung droht, wird das Kind alles Verbotene gerne tun. Für autoritäre Erzieher ist Disziplin etwas, dass man an einem Kind ausübt und nicht etwas, das man zusammen mit dem Kind erlernt. Ausserdem geht dieser Erziehungsstil bei Fehlverhalten immer von einer schlechten Absicht des Kindes aus: wenn ein Baby weint, dann um zu nerven, und nicht, weil es Hilfe braucht. Das Kleinkind will seine Umwelt nur manipulieren. (Vgl. ebd., S. 3)

Der kommunikative Ansatz ist der heute am häufigsten praktizierte. Das Problem hierbei ist, dass manche Dinge zwischen Kindern und Erwachsenen gar nicht besprochen werden müssen oder können. Manchmal möchten Kinder auch einfach nur eine klare elterliche Ansage und können die Gründe dafür nicht verstehen oder interessieren sich auch gar nicht dafür. Ein Beispiel wäre die Anschnallpflicht im Auto. Anstatt lang und breit zu erklären, warum man sich anschnallen muss, reicht es auch einfach zu sagen: “Im Auto müssen wir uns immer anschnallen. Das ist einfach so. Punkt.” Jedes normale Kind weiss sehr schnell intuitiv warum das so ist und dass Mama und Papa es nur gut meinen. Eltern, die diese Philosophie beherzigen würden auch nicht sagen: “schlage deinen Bruder nicht!”, sondern würden versuchen, die Gefühle des Kindes anstelle des Kindes zu artikulieren: “Ich verstehe, dass dein Bruder dich gerade wütend macht.” Ich habe diese Form der Kommunikation auch schon oft an meinen Kindern ausprobiert und muss sagen, es bringt schon was. Selten reicht allerdings aus. Die Kinder kapieren ganz schnell die Grundidee hinter dieser Argumentationsweise und nehmen einen auch schnell nicht mehr ernst, wenn man so redet. Es hat ein bisschen was Lächerliches, wenn man es zuviel praktiziert. Ausserdem ist es ja auch egal, warum sie ihren Bruder hauen. Okay ist es nie. Aber es stimmt schon, dass es oft hilft, erstmal eine Situation oder ein Gefühl zu beschreiben. Vieles ist dann schon vergessen. Bei den Gefühlen Erwachsener funktioniert das ja auch prima. Jon Kabat-Zinn lehrt das auch in seinen Achtsamkeitsseminaren: wenn man sich ein Gefühl wie Angst oder Neid einfach anguckt und sagt: “Ich stelle fest, ich habe Angst davor.”, dann verschwindet ein Großteil der Angst oft wie von alleine.

Der verhaltensmodifizierende Ansatz besteht aus Dingen wie Auszeiten, positiver Verstärkung und der Vermittlung natürlicher Konsequenzen. Es erinnert allerdings schon manchmal an simple Konditionierung und funktioniert ebenso gut bei Haustieren. Das Problem an dieser Methode ist auch, dass es viel Kraft kostet, die ganzen Verhaltensänderungen ganz konsequent durchzuziehen und einem ausser der berühmten Auszeit und dem Fernsehverbot auch bald nichts Vernünftiges mehr einfällt. Das Kind wird ein bisschen zu einem “Projekt” degradiert und in der Beziehung zum Kind entsteht eine gewisse Schieflage.

Als jemand, der bindungsorientiert lebt, hat man jedoch gelernt, sein Kind zu lesen, seine Bedürfnisse zu verstehen und bockiges Verhalten nicht persönlich zu nehmen, sondern immer den eigentlichen Grund zu hinterfragen. Es ist so, als würde man mit den recht profanen Dingen des Windelwechselns (oder sogar “Windelfrei-Seins”!?), Stillens und Tragens am Anfang sein Geschick schulen, Kinder ohne Sprache zu verstehen. So, wie sie am Anfang noch nicht sprechend verdeutlichen können, was sie brauchen, weil sie einfach noch nicht sprechen können, so können sie später auch oft noch nicht in Worte fassen, warum sie traurig oder wütend sind. Man muss das sonderbare Verhalten als Mutter oder Vater übersetzen. Man ist eigentlich Zeit seines Lebens Dolmetscher. Attachment Parenting macht uns zu guten Dolmetschern. Eine Kompetenz,   für die ich unendlich dankbar bin.

 

noch ein Buchtipp: Myla Kabat-Zinn/Jon Kabat-Zinn: Mit Kindern wachsen: Die Praxis der Achtsamkeit in der Familie, Arbor-Verlag, 2011.

Über die Vorteile des Puckens

September 13th, 2012

Das Pucken ist – wie viele Dinge, wenn es um Kindererziehung geht – so ein typisches Ding, das einem ein komisches Bauchgefühl gibt. Irgendwie hat man schon mal davon gehört, man weiss, dass es eine alte Kulturtechnik ist und man hat ambivalente Gefühle. Ist das jetzt was Gutes oder was Schlechtes? Irgendwie passt es nicht so ganz zu unserer derzeitigen, auf Mobilität und Selbstbestimmung ausgerichteten Kultur. Mein erster Kontakt mit dieser Wickeltechnik für Babys war aber dennoch ein positiver.
Nach der Geburt meiner ersten Tochter war der erste Besuch meiner Hebamme auch wegen des Puckens sehnsüchtig erwartet. Ich wollte, dass sie mir noch einmal zeigte, wie ich meine Tochter fest in ein Tuch einwickeln konnte, damit sie sich im Schlaf nicht mit ihren eigenen Arm- und Beinbewegungen wieder wachstrampelte. Ein paar Tage nach der Geburt war sie von einer netten Kinderkrankenschwester auch schon gewickelt worden und ich hatte das Gefühl, dass es ihr gut tat und sie beim Schlafen unterstützte. Ausserdem hörte ich, dass mehr als zwanzig Prozent aller Kinder weltweit stramm gewickelt schlafen (Vgl. Ria Bloom: Wenn Babs häufig schreien. Wirksame Hilfe durch Rhythmus und Pucken, Stuttgart: Aethera, 2005, S. 1) und der Blick in andere Kulturen und Zeiten reizt mich grundsätzlich, eine „Erziehungstechnik“ genauer anzuschauen. Irgendwas muss da doch dran sein:
„Als ich meine sechs Wochen alte Tochter beim Versuch einzuschlafen beobachtete, sah ich Folgendes: Sie nickte immer ein, wurde dann aber wieder von ihren unkontrollierten Armbewegungen wach. Als ich ihre Arme festhielt, schlief sie innerhalb einer Minute!“ (Ria Blom, S. 57)
Aber was bedeutet Pucken eigentlich ganz genau? Pucken bedeutet, ein Baby von den Schultern bis zu den Zehen fest in ein Tuch einzuwickeln, damit unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine verhindert werden, die das Baby wach halten oder aus dem Schlaf aufschrecken lassen. Das Baby hat so eine Membran, fühlt sich geborgen und umhüllt und beruhigt sich dadurch.
Dr. Harvey Karp erklärt in seinem Buch „Das glücklichste Baby der Welt“, warum Babys sich gewickelt oft so wohl fühlen: Menschenbabys seien im Gegensatz zu fast allen Tierbabys beim Zeitpunkt ihrer Geburt noch sehr unreif. Ihnen fehle ein viertes Schwangerschaftstrimester. Das Überleben des Menschenbabys sei eben nicht von einem großen, starken Körper abhängig, sondern von einem großen und klugen Gehirn. Das menschliche Gehirn sei so groß, dass wir unsere Föten aus dem Uterus vertreiben müssten, „damit ihr Kopf nicht im Geburtskanal stecken bleibt.“ (Dr. Harvey Karp: Das glücklichste Baby der Welt. So beruhigt sich Ihr schreiendes Kind – so schläft es besser, München: Goldmann 2003, S. 29) Es ist also naheliegend, dass das menschliche Baby aufgrund seiner Unreife nach der Geburt eine Umgebung bevorzugt, die der im Mutterleib möglichst nahe kommt. Das stramme Wickeln fungiert als Teil eines Beruhigungsreflexes, der durch Nachahmen der Uterusbedingungen ausgelöst werden kann. (Vgl. Karp, S. 40)
Am besten von den Säuglingen angenommen wird das Pucken ab der Geburt bis zu einem Alter von etwa acht Wochen. Sobald man beobachtet, dass sich ein gepucktes Kind versucht auf den Bauch zu drehen, sollte man sofort mit dem Pucken aufhören. Nach einem Alter von sechs Monaten ist Pucken dann endgültig tabu. (Vgl. Ria Blom, S. 85)
Wichtig ist, dass straff und doch nicht zu straff gewickelt wird. Die Straffheit der Tücher um die Beine muss sich dabei je nach Alter erheblich unterscheiden. Anfangs sollten die Beinchen durchaus in ihrer angewinkelten Haltung bleiben dürfen, sofern das Baby diese gerne einnimmt.
All diese Einschränkungen und unsere auf Mobilität und Individualität ausgerichtete Gesellschaft mögen dazu beitragen, dass das Pucken sehr kritisch beleuchtet wird. Sicher kommt diese Kritik auch teilweise daher, dass Babys in früheren Zeiten sehr viel gepuckt wurden, um sie ruhig zu stellen: „Früher (manchmal auch noch heute) wurde in einigen Kulturen während einer bestimmten Zeitspanne permanent stramm gewickelt, das Kind war also Tag und Nacht in den Tüchern. Die Dauer variierte von vierzig Tagen bis zu etwa einem Jahr. Zum Teil war es nicht einmal nötig, das Kind zu windeln, weil am Gesäß eine Öffnung gelassen wurde. Der ganze Körper, häufig inklusive Kopf, war stramm eingewickelt.“ (Ria Blom, S. 84) Heute ist das Pucken nur als ein vorübergehendes Hilfsmittel gedacht, bis das Kind wieder ruhig geworden ist. Eigentlich wird heute nur dann empfohlen zu pucken, wenn das Baby müde ist und schlafen möchte.
Das Pucken ist aber gerade am Anfang für viele Säuglinge eine große Hilfe beim Schlafen und beruhigt sie sehr. Ich wollte es daher in den ersten Wochen mit meinen eigenen Kindern auf keinen Fall missen und es ist aus diesem Grund ja auch eine alte Kulturtechnik in weiten Teilen der Welt. Abgesehen von den schlafinduzierenden Vorteilen, kann das Wickeln auch helfen, wenn Neugeborene ein sehr unruhiges Trinkverhalten haben. Manche Babys sind so temperamentvoll, dass sie sich beim Stillen zu viel bewegen, um effektiv zu saugen. (Vgl. Ria Blom, S. 96)
Kontraindiziert ist das Pucken bei Hüftdysplasie, bei Fieber oder zu erwartendem Fieber, in den ersten 24 Stunden nach einer Impfung und bei Atemwegsinfektionen. Den Kinderarzt vor dem Pucken sollte man befragen, wenn ein Kind neurologische Störungen aufweist, bei einem sehr niedrigen Geburtsgewicht, bei einer asymmetrischen Körperhaltung wie einem Schiefhals oder ähnlichem, bei Ekzem und bei Babys, die häufig spucken. Ein gepucktes Kind kann natürlich auch krank werden und sollte deshalb im Schlaf immer beobachtet werden und in der Nähe eines Erwachsenen sein. Die Zimmertemperatur sollte nie zu hoch sein. Eigentlich sind 15 Grad für ein gepucktes Kind schon genug. Im Sommer kann das Kind in einem dünnen Tuch nackt gepuckt werden. Ein Pucktuch sorgt jedoch andererseits für eine gleichmäßige Wärme und wirkt so schlaffördernd. Ein gepucktes Kind muss immer, immer auf dem Rücken liegen.
Falls ihr mit einem normalen Mulltuch Probleme habt straff zu wickeln, könnt ihr mal bei uns im LOUyLOU-Shop gucken. Wir bieten ein Pucktuch an, das leichter zu binden geht:
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Vagal superstars

August 17th, 2012

Heute bin ich auf etwas aufmerksam geworden, über das ich im Zusammenhang mit dem Attachment Parenting und einer bindungsstärkenden Erziehung noch nie nachgedacht hatte: die Macht und Kraft der Berührung.

Erzieht man sein Kind mit den Mitteln des Attachment Parenting, stillt man es nach Bedarf und ohne Uhr, lässt es in seiner Nähe schlafen und trägt es nicht nur, um von einem Ort zum anderen zu kommen, sondern auch, um es einfach zu beruhigen. Solange man dies alles also tut, berührt man es ja ungleich mehr und länger, als jemand der sein Kind in sein eigenes Bettchen legt zum Schlafen, ihm die Flasche durch irgendjemanden geben lässt und mit dem Kinderwagen durch die Gegend schiebt.

Ein toller Psychologieprofessor namens Dacher Keltner der University of California erforscht, was Berührung so alles vermag und inwiefern sie unseren Charakter und unser Wesen beeinflusst. (Er hat diesen interessanten und einzigartigen Namen übrigens deshalb, weil sich seine Eltern einen Namen für ihn ausdenken wollten…)
Durch viel Berührung sorgen wir laut Keltner für einen hohen Tonus des Vagusnervs und dieser führt dazu “andere gern zu haben und uns um sie zu kümmern” (Zeit Wissen, Nr.3, April/Mai 2010, S. 30) Wenn dieser Nerv aktiviert ist, haben wir ein warmes Gefühl in der Brust und Menschen mit einem relativ hohen Vagusnervtonus haben mehr Freunde und soziale Kontakte. Keltner nennnt solche Menschen “vagal superstars” und meint, man könne sie auf Anhieb erkennen. Sie wirkten besonders vertrauenswürdig und “die Fähigkeit, für andere zu sorgen, war für das Überleben unserer Spezies so wichtig, dass wir anscheinend auch die Fähigkeit haben, vertrauenswürdige Menschen zu erkennen”.(ebd, S. 32) Da reichten kleine körperliche Zeichen wie ein Nicken oder Lächeln.
Mitgefühl können wir aber am besten durch Berührung mitteilen und es ist für Menschen daher sehr wichtig, berührt zu werden. Auch im Attachment Parenting berühren wir unser Baby sehr viel und stärken so all diese positiven Dinge, drücken unser Mitgefühl aus. Wir helfen durch das viele Tragen, das gemeinsame Schlafen und das ausgiebige Stillen unseren Kindern “vagal superstars” zu werden, also zu vertrauenswürdigen Menschen heranzuwachsen, die fähig sind zur Freundschaft und für andere sorgen. Vielleicht helfen wir ihnen auch, ein warmes Lächeln zu entwickeln, denn das ist auch ein ein Zeichen für Vertrauenswürdigkeit. Keltner fand heraus, dass, je wärmer Menschen lächeln, ihr Leben erfüllter ist. Sie haben mehr Glück in der Ehe, fühlen sich ihren Mitmenschen näher und sind weniger ängstlich als solche, die so nicht lächeln. (vgl. ebd) Andererseits sind mächtige Menschen nach seiner Auffassung weniger mitfühlend. Macht stärkt nämlich nicht die gute Seite im Menschen. Keltner rät zur Schulung der guten Seite zur Meditation. Na dann, mal los, ihr meditierenden “attachment parents”.

Schwangersein in freudiger ErWARTung

Januar 8th, 2012

Ja, wie ist Schwangerschaft denn nun, abgesehen von all den neuen Gedanken und Emotionen? Für mich waren die ersten Wochen geprägt von einer Wartehaltung: 1. mal abwarten, ob die ersten 12 Wochen glimpflich verlaufen. So lange war die Schwangerschaft ein süßes, kleines Geheimnis zwischen mir und meinem Freund. Und das haben wir auch genossen. Dann der große Showdown. Grad beim ersten Kind und wenn nicht Gott und die Welt in die Familienplaung eingebunden war, ist es wohl besonders aufregend die Bombe platzen zu lassen und all die überraschten Reaktionen zu empfangen. Ich liebe ja Überraschungen! Und Vorfreude.

Phase 2: die Welt weiß ob der freudigen Erwartungen, von Euphorie bis Misstrauen kann alles auf Dich eingeregnet sein, aber nun teilst Du Deine Emotionen auf jeden Fall mit einigen  neugierigen Mitfieberern. Besonder interessiert scheinen die Kinderlosen.
Das Warten geht also weiter: Darauf zu erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Und ich fand schon, dass die Gewissheit den “emotionalen Bezug zu meinem Bauch” etwas konkretisiert hat. Nun weiß ich wen ich ansprechen kann, kann konkretere Zukunftsbilder spinnen. Es macht ja schon einen Unterschied, ob man einen kleinen Haudegen oder eine zarte Prinzessin erwartet. Oder auch nur vorzuhaben sich nen gender klassischen Wikinger oder ne Ballerina groß zu ziehen. (Habt ihr von der Engländerin gehört, die ihr Kind genderlos erzieht und lange auch ihren Eltern verheimlicht hat, was es denn ist? Man kann es wirklich auch übertreiben mit den Gedanken, Erwartungen und Befürchtungen, die man um das Kind spinnt.) Ich und alle um mich wussten nun also, dass wir einen kleinen Jungen erwarten. Ich war aber immernoch im Wartehaltung. Wartete nun darauf, dass die Schwangerschaft klar sichtbar wird. Irgendwie fühlte ich mich erst so richtig schwanger, als man es mir auch schon ein wenig ansehen konnte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keine deutlichen Nebenwirkungen hatte, die mir jeden Tag vor Augen hielten: “Pfuibah, oder gähn,  ich bin Schwanger!”. Kein Hormonflash, kaum mal Übelkeit oder sonstige sich gravierend äußernden Symptome.

Dann wuchs das Bäuchlein langsam, das war so ziemlich zu der Zeit, die von allen Seiten immer als die schönste Phase in der Schwangerschaft beschrieben wird: das 2. Drittel. Wir fuhren noch einmal in einen entspannten Urlaub zu zweit, genossen unsere Freiheit beim Rollerfahren, Sightseeing, Essen gehen, und ich freute mich still und heimlich darüber am Strand rumzuliegen, ohne einen Gedanken ans Baucheinziehen zu verschwenden. Dann waren auch die ersten Kindbewegungen für meinen  Freund zu spüren (ca. 21.Woche), und ja, jetzt wurde es langsam real. Phase 3.

Dann begann langsam die Planung der Geburtsvorbereitung, Phase 4: ein neuer Yogakurs musste gefunden werden, ich verspürte große Lust danach andere werdende Mamas kennen zu lernen und  mich mit ihnen auszutauschen, wann mache ich ne Geburtsvorbereitungskurs und wo. Gar nicht so einfach, jemanden auf der eigenen Wellenlänge zu finden, dann auch noch in einem Kurs zu landen, der den eigenen Ansprüchen gerecht wird und sich zeitlich gut in den Alltag einbinden lässt. Aber dass da bald eine Geburt bevorsteht, der Gedanke war immernoch ziemlich weit weg., Und mir viel es lange schwer mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, es interessierte mich schlichtweg noch nicht.

Phase 5: Worauf wartete ich jetzt? Eigentlich auf nix mehr, ich genieße (und glücklicher Weise lässt mir meine “happy preppy-Schwangerschaft” genug Gelegenheit dafür!). Ich freute mich auf die zunehmende Gemütlichkeit, die ich mir vom wachsenden Bauchumfang versprach. Einen Gang runter zu schalten, was sehr gut in die gemütliche Jahreszeit fiel, und begann langsam alle Sachen zusammen zu sammeln. Nicht nur Wickeltisch und Tragetuch, sondern auch Elterngeldantrag und Sorgerechtserklärung (sollte man als unverheiratetes Paar beim Jungendamt anmelden).
Nun wurden auch andere Bücher interessant: die selbstbestimmte Geburt, wie verändert sich die Partnerschaft nach der Geburt, und überhaupt, was passiert mit mir und meinem Körper bei und nach der Geburt.
Als ich überhaupt noch nicht wusste, dass ich schwanger war, bin ich einmal im Bus ohnmächtig geworden, während ich nen Artikel in der Apothekenzeitschrift über das Wochenbett las.
Nun war die Zeit gekommen, sich dem Schrecken noch einmal zu stellen, und ach, so schrecklich scheint er gar nicht mehr. Neun Monate sind tatsächlich auch eine sinnvolle psychische Vorbereitungszeit, um sich dem ganzen Thema zu nähern. Um Ängste zu erkennen, sich mit ihnen auseinander zu setzen, mitd seinem Partner auzutauschen und ranzutasten an ein Thema, das dann trotzdem noch total abstrakt ist: Wer kann sich schon vorstellen, wie es dann wirklich ist, wenn der Wurm dann auch einmal neben dem Bauch strampelt und es darin auf einmal ruhig ist. Abgefahren!

Dann warteten wir auf’s Christkind und erklärten unserem Kind, dass wir keinen Wert darauf legen die Jesusgeschichte nachzuspielen. Auch Silvester sei leider schon verplant, die unpässlichen Geburtstermine 31.12. und 1.1. solle er bitte nicht in Erwägung ziehen.

Er scheint ein guter Junge zu sein, und bis jetzt ganz gut auf Mama zu hören. “Hörst Du, das machst Du prima, so kannst Du das eigentlich die nächsten 18 Jahre beibehalten!”

Naja, aber irgendwie wird es langsam dann doch auch langweilig, das Warten oder Nichtwarten. Wir waren in der letzten Zeit überdurchschnittlich oft im Kino, haben viele Restaurants besucht, in die wir schon immer wollten, die aktuell interessanten Ausstellungen werden auch bald rar. So ein kleiner Querschuss, eine Überraschung, wie ich schon erwähnte liebe ich Überraschungen, wäre jetzt auch ganz nett.
… Denn eigentlich wünsche ich mir ja nen kleinen Rotzlöffel, deren Lieblingsspeise Quatsch mit Soße ist, einen wilden Cowboy mit dem ich auf die Pirsch gehen kann und… das wird wohl alles noch ein wenig dauern.
Das sag ich jetzt in der Euphorie der freudigen Erwartungen. Ihr werden hören, wie meine Realität nachher zu euch spricht.


Das Warten geht weiter – doch, man kann es getrost so nennen, denn Vorfreude ist schließlich die schönste Freude -  nicht ohne den Moment, das Hier und Jetzt und das Glück des Augenblicks zu genießen.

Und jetzt nicht den ersten, späten Kaffee kalt werden lassen, das Frühstück im Bett wurde grad serviert. Der Tag hat ja schon lange genug auf mich gewartet!


Euch allen einen wundervollen Jahresanfang, eure Nina.

 

Nachtrag:
Heute fand ich in Ingeborg Stadelmanns “Hebammensprechstunde” folgenden Auszug, der hier super zum Thema Warten und Ausdauer passt:
“Die Schwangerschaft beginnt mit der Geduld, die Übelkeit zu ertragen, dem sehnsüchtigen Warten auf das Spüren der ersten Kindbewegungen. Es fordert schon ein gewisses Maß an Ausdauer die vierzig Wochen der Schwangerschaft  zu durchleben und mit Geduld auf den Geburtsbeginn zu warten. Enorm viel Ausdauer benötigen viele Frauen für die Stunden der Eröffnungs- und Geburtswehen. In der Stillzeit nehmen manchmal die Geduldsproben kein Ende,….  Auch beim Hertanwachsen des Kindes erleben Eltern, daß Geduld und Ausdauer immer wieder gefordert sind, bis dann eines Tages die Mutter zu Hause sitzt und iungeduldig wartet, daß das zehnjährige Kind nach Hause kommt.”  ( S. 314)

 

 

Eine Trageberaterin antwortet zum Thema Tragen im Winter

Dezember 21st, 2011

Wie trage ich mein Baby im Winter? Über der Jacke, unter der Jacke? Ich habe Angst, dass die raushängenden Füßchen zu kalt werden. Ist es dem Baby warm genug in der Trage?

Wer schon Mal einen Kinderwagen in hohen Schneebergen geschoben hat und dabei sowohl Muskelkraft wie auch gymnastische Geschicklichkeit beweisen musste, weiß, dass ein Baby im Winter zu tragen nicht nur eine Frage der Bedürfnisbefriedigung des Babys ist, sondern ebenfalls einen praktischen Nutzen aufweist. „Nur wie sollte man es genau machen?“ fragen sich viele Mütter?  Wer soll wie angezogen werden? Über oder unter der Jacke?

Kleine Babys sollten im Winter grundsätzlich unter der Jacke getragen werden. Also das Baby so anziehen, wie man sich selbst unter einer Winterjacke anziehen würde und  zusätzlich noch warme Wollsöckchen. Man darf  nicht vergessen, dass das Baby die Körperwärme des Tragenden mit bekommt und daher sollte man es nie zu warm anziehen. Am besten zieht man das Kind nach dem Zwiebelprinzip – d.h. mehrere Schichten Kleidung -  an. Unter der Jacke sollten diese Schichten jeweils nicht zu dick sein. Natürlich sollten aber  eine warme Mütze und ein Schal nicht fehlen.

Hat man vor, das Baby viel und oft zu tragen, macht es Sinn, über eine Anschaffung von einer speziellen Jacke nachzudenken. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Tragejacken, Trageponchos  und sogar schicken Tragemänteln auf dem Markt. Diese findet man in unterschiedlichen Farben und Schnitten und man kann die meisten sowohl für die Bauch- als auch für die Rückentrage nehmen. Praktisch ist, dass einige davon auch schon in der Schwangerschaft und darüber hinaus ohne Kind am Körper getragen werden können.

Falls die vorgefertigten Tragejacken doch nicht nach dem Geschmack der Mutter sind, kann man sich mit einer größeren „normalen“ Jacke aushelfen. Das Problem mit der Lücke zwischen Baby und dem Hals des Tragenden ist sehr erfolgreich mit einem sogenannten Trageschal BABYWEARING DICKEY – eine geniale Erfindung aus Finnland -  lösbar. Dabei brauchen sowohl das Baby als auch der Tragende keinen zusätzlichen Schal und die Babys können sowohl vorne als auch hinten auf dem Rücken getragen werden ohne dass die Mutter oder der Vater viel Geld für eine Tragejacke ausgeben oder  Kälte aushalten müssen.

Es gibt noch weitere nette Hilfsmittel: beispielsweise ein Tragecover. Dieses kann man bei Babys nehmen, die vorne  unter einer normalen Jacke getragen werden sollten, aber wo die Jacke sich nicht komplett zu machen lässt. In dem Fall schütz das Tragecover das Baby vor der Kälte.

Generell gilt, je kleiner das Baby, desto mehr sollte man es vor der Kälte schützen, d.h. immer unter einer Jacke oder in einem Tragecover. Größere Babys oder schon laufende Kleinkinder, die ab und zu zum Ausruhen oder zum Mittagschlaf getragen werden, können bei nicht zu kaltem Wetter auch außerhalb der Jacke der Eltern getragen werden. Hier muss man immer darauf achten, dass das Kind selbst wintergerecht angezogen ist, da es ja nicht zusätzlich von der Körperwärme des Tragenden profitieren kann.  Auch hier kann man ein Tragecover benutzen.

Aira, Trage- und Stillberaterin