Ja, wie ist Schwangerschaft denn nun, abgesehen von all den neuen Gedanken und Emotionen? Für mich waren die ersten Wochen geprägt von einer Wartehaltung: 1. mal abwarten, ob die ersten 12 Wochen glimpflich verlaufen. So lange war die Schwangerschaft ein süßes, kleines Geheimnis zwischen mir und meinem Freund. Und das haben wir auch genossen. Dann der große Showdown. Grad beim ersten Kind und wenn nicht Gott und die Welt in die Familienplaung eingebunden war, ist es wohl besonders aufregend die Bombe platzen zu lassen und all die überraschten Reaktionen zu empfangen. Ich liebe ja Überraschungen! Und Vorfreude.
Phase 2: die Welt weiß ob der freudigen Erwartungen, von Euphorie bis Misstrauen kann alles auf Dich eingeregnet sein, aber nun teilst Du Deine Emotionen auf jeden Fall mit einigen neugierigen Mitfieberern. Besonder interessiert scheinen die Kinderlosen.
Das Warten geht also weiter: Darauf zu erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Und ich fand schon, dass die Gewissheit den “emotionalen Bezug zu meinem Bauch” etwas konkretisiert hat. Nun weiß ich wen ich ansprechen kann, kann konkretere Zukunftsbilder spinnen. Es macht ja schon einen Unterschied, ob man einen kleinen Haudegen oder eine zarte Prinzessin erwartet. Oder auch nur vorzuhaben sich nen gender klassischen Wikinger oder ne Ballerina groß zu ziehen. (Habt ihr von der Engländerin gehört, die ihr Kind genderlos erzieht und lange auch ihren Eltern verheimlicht hat, was es denn ist? Man kann es wirklich auch übertreiben mit den Gedanken, Erwartungen und Befürchtungen, die man um das Kind spinnt.) Ich und alle um mich wussten nun also, dass wir einen kleinen Jungen erwarten. Ich war aber immernoch im Wartehaltung. Wartete nun darauf, dass die Schwangerschaft klar sichtbar wird. Irgendwie fühlte ich mich erst so richtig schwanger, als man es mir auch schon ein wenig ansehen konnte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keine deutlichen Nebenwirkungen hatte, die mir jeden Tag vor Augen hielten: “Pfuibah, oder gähn, ich bin Schwanger!”. Kein Hormonflash, kaum mal Übelkeit oder sonstige sich gravierend äußernden Symptome.
Dann wuchs das Bäuchlein langsam, das war so ziemlich zu der Zeit, die von allen Seiten immer als die schönste Phase in der Schwangerschaft beschrieben wird: das 2. Drittel. Wir fuhren noch einmal in einen entspannten Urlaub zu zweit, genossen unsere Freiheit beim Rollerfahren, Sightseeing, Essen gehen, und ich freute mich still und heimlich darüber am Strand rumzuliegen, ohne einen Gedanken ans Baucheinziehen zu verschwenden. Dann waren auch die ersten Kindbewegungen für meinen Freund zu spüren (ca. 21.Woche), und ja, jetzt wurde es langsam real. Phase 3.
Dann begann langsam die Planung der Geburtsvorbereitung, Phase 4: ein neuer Yogakurs musste gefunden werden, ich verspürte große Lust danach andere werdende Mamas kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen, wann mache ich ne Geburtsvorbereitungskurs und wo. Gar nicht so einfach, jemanden auf der eigenen Wellenlänge zu finden, dann auch noch in einem Kurs zu landen, der den eigenen Ansprüchen gerecht wird und sich zeitlich gut in den Alltag einbinden lässt. Aber dass da bald eine Geburt bevorsteht, der Gedanke war immernoch ziemlich weit weg., Und mir viel es lange schwer mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, es interessierte mich schlichtweg noch nicht.
Phase 5: Worauf wartete ich jetzt? Eigentlich auf nix mehr, ich genieße (und glücklicher Weise lässt mir meine “happy preppy-Schwangerschaft” genug Gelegenheit dafür!). Ich freute mich auf die zunehmende Gemütlichkeit, die ich mir vom wachsenden Bauchumfang versprach. Einen Gang runter zu schalten, was sehr gut in die gemütliche Jahreszeit fiel, und begann langsam alle Sachen zusammen zu sammeln. Nicht nur Wickeltisch und Tragetuch, sondern auch Elterngeldantrag und Sorgerechtserklärung (sollte man als unverheiratetes Paar beim Jungendamt anmelden).
Nun wurden auch andere Bücher interessant: die selbstbestimmte Geburt, wie verändert sich die Partnerschaft nach der Geburt, und überhaupt, was passiert mit mir und meinem Körper bei und nach der Geburt.
Als ich überhaupt noch nicht wusste, dass ich schwanger war, bin ich einmal im Bus ohnmächtig geworden, während ich nen Artikel in der Apothekenzeitschrift über das Wochenbett las.
Nun war die Zeit gekommen, sich dem Schrecken noch einmal zu stellen, und ach, so schrecklich scheint er gar nicht mehr. Neun Monate sind tatsächlich auch eine sinnvolle psychische Vorbereitungszeit, um sich dem ganzen Thema zu nähern. Um Ängste zu erkennen, sich mit ihnen auseinander zu setzen, mitd seinem Partner auzutauschen und ranzutasten an ein Thema, das dann trotzdem noch total abstrakt ist: Wer kann sich schon vorstellen, wie es dann wirklich ist, wenn der Wurm dann auch einmal neben dem Bauch strampelt und es darin auf einmal ruhig ist. Abgefahren!
Dann warteten wir auf’s Christkind und erklärten unserem Kind, dass wir keinen Wert darauf legen die Jesusgeschichte nachzuspielen. Auch Silvester sei leider schon verplant, die unpässlichen Geburtstermine 31.12. und 1.1. solle er bitte nicht in Erwägung ziehen.
Er scheint ein guter Junge zu sein, und bis jetzt ganz gut auf Mama zu hören. “Hörst Du, das machst Du prima, so kannst Du das eigentlich die nächsten 18 Jahre beibehalten!”
Naja, aber irgendwie wird es langsam dann doch auch langweilig, das Warten oder Nichtwarten. Wir waren in der letzten Zeit überdurchschnittlich oft im Kino, haben viele Restaurants besucht, in die wir schon immer wollten, die aktuell interessanten Ausstellungen werden auch bald rar. So ein kleiner Querschuss, eine Überraschung, wie ich schon erwähnte liebe ich Überraschungen, wäre jetzt auch ganz nett.
… Denn eigentlich wünsche ich mir ja nen kleinen Rotzlöffel, deren Lieblingsspeise Quatsch mit Soße ist, einen wilden Cowboy mit dem ich auf die Pirsch gehen kann und… das wird wohl alles noch ein wenig dauern.
Das sag ich jetzt in der Euphorie der freudigen Erwartungen. Ihr werden hören, wie meine Realität nachher zu euch spricht.
Das Warten geht weiter – doch, man kann es getrost so nennen, denn Vorfreude ist schließlich die schönste Freude - nicht ohne den Moment, das Hier und Jetzt und das Glück des Augenblicks zu genießen.
Und jetzt nicht den ersten, späten Kaffee kalt werden lassen, das Frühstück im Bett wurde grad serviert. Der Tag hat ja schon lange genug auf mich gewartet!
Euch allen einen wundervollen Jahresanfang, eure Nina.







