Ein Loblied auf die Hängewiege

Juli 7th, 2010

Heute möchte ich mal ein Loblied auf Hängewiegen und Hängematten im Allgemeinen singen. Meiner Ansicht nach sind Hängewiegen vollkommen unterschätzt und Wiegen und Stubenwagen komplett überschätzt.

Das Problem bei den meisten Wiegen und Stubenwagen ist nämlich, dass sie von rechts nach links schaukeln und das mögen Babys meiner Erfahrung nach gar nicht. Für mehr Schlaf sorgt es schon gar nicht. Auffällig ist in dem Zusammenhang, dass es in keinem Naturvolk irgendeine Schlafstätte für Kinder gibt, die von rechts nach links schaukelt – aber es gibt ganz viele Patente, die von der Decke baumeln. Ein Tuch, das einfach um einen Balken geknotet wird oder geschnitzte Holzwiegen, die mit Tüchern umbunden werden und dann auch an das Dach einer Kota gehängt werden wie bei den Ureinwohnern Lapplands. (nachzusehen in dem wunderschönen Kinderbuch über ein vierjähriges Mädchen und ihren Hund Tjappo: Elle Kari aus Lappland von Anna Riwkin-Brick und Elly Jannes, erschienen bei Friedrich Oetinger, Hamburg, 1951 – erhältlich leider nur in Antiquariaten)

In den meisten Kulturen schlafen Kinder einfach mit oder ohne ihre Eltern in Hängematten – und dabei liegen sie eigentlich immer quer drin, so dass sie vom Kopf zu den Füßen und nicht seitlich schaukeln. Von der Schlaf fördernden Wirkung einer Hängematte durfte ich mich selber einmal für vier Monate in Kolumbien überzeugen. Es ist mir sooo schwer gefallen mich wieder an ein normales Bett zu gewöhnen, denn es war wahnsinnig entspannend und ich habe seither glaube ich nie mehr so gut geschlafen, so dass ich mich manchmal frage, warum wir unser blödes Ehebett nicht einfach abschaffen und auf eine Paarhängematte umsteigen.

brasilia Paarhängematte von Tucano

Brasilia Paarhängematte

Paarhängematte bei uns im Shop

Turnen könnten wir ja dann auf dem Boden oder dem Sofa.

Aber was für Erwachsene durchaus mehr Berechtigung hätte – für Babys und Kleinkinder ist es unermesslich hilfreich. Man legt sie in so ein schaukelndes Ding – übrigens am Besten nicht in ein ruhiges, abgelegenes Zimmer, sondern ruhig in die Mitte des Tohuwabohus (dann klingt alles so wie damals im Bauch – Babys im Bauch schlafen ja keineswegs nur nachts….) und sie schlafen darin besser ein, und vor allem kann man sie über die berühmten REM-Phasen, die so ein Baby ja alle 30 Minuten hat, hinüber retten (Vgl meinen Post “Fakten über Babys Schlaf” vom….). Am besten man hängt die Hängematte oder Hängewiege neben das eigene Bett und bindet eine Schnur dran. Sobald das Kleine schläft, lässt man alles stehen und liegen!!!! Nein, man räumt nicht schnell noch die Spülmaschine ein und man ruft auch nicht eben mal schnell die Oma oder die Versicherung an, sondern man legt sich sofort dazu, denn nach 30 Minuten droht so ein kleines Wesen normalerweise schon wieder auf zu wachen. Aber ihr seid ja davor gefeit, weil ihr im Halbschlaf nur schnell an der Schnur zieht, die die Wiege wieder zum Schaukeln bringt.
Die Spülmaschine könnt ihr dann später einräumen, wenn euer Kind vergnügt in der Babytrage sitzt oder wenn ihr einen ganz außergewöhnlich guten Tag erwischt habt, dann kann es ja auch sein, dass euer kleiner Schatz auch mal 5 Minuten alleine glücklich ist. Schafft man in der Zeit eine ganze Spülmaschine? Wird knapp, aber eine Waschmaschine beladen, das geht in der Zeit. Also, wohlauf – oder gefragt mit unserem indischen Freund: “Tell me, how do you Germans raise your children without hammocks?”

Wem eine Hängematte zu viel Platz weg nimmt oder irgendwie zu wild ist, dem möchten wir unsere Lieblings- Federwiege Mawok empfehlen. Wir sind glühende Fans dieser Wiege, weil wir sie mit ihrer Federaufhängung für sehr Schlaf fördernd halten und vor allem finden wir toll, dass man sie überall hin mitnehmen kann. Sie kann super praktisch über jede Tür gehängt werden. Eine Tasche zum Mitnehmen ist dabei und das Ganze wiegt unter 3 kg. Das ist besser als jedes Reisebettchen. Die Mawok Hängewiege wurde designt von der netten Schwedin Monica Landberg und ist in ihrer Heimat längst ein Geheimtipp. Wir finden diese Wiege einfach klasse und deshalb kann man sie natürlich auch über uns beziehen (an dieser Stelle sei dieser zaghafte Hinweis aus purer Begeisterung mal erlaubt):

mawok_door
zu kaufen bei LOUyLOU

Was macht Kinder glücklich?

Juni 2nd, 2010

Mein Lieblingsthema Bindung, (irgendwo entdeckte Übersetzung: “die stabile und zugewandte Elternliebe”) ist langsam aber sicher in Aller Munde und wird zum Mainstream. Das freut mich wahnsinnig, weil ich wirklich überzeugt davon bin (und die Wissenschaft ist es zunehmend auch), dass eine starke Eltern-Kind-Bindung zu einer Gewalt-freieren Erziehung führt und glücklichere Kinder macht.

Irgendwie erstaunlich an dieser ganzen Entwicklung ist schon, dass die Wissenschaft eigentlich immer nur beweist und herausfindet, dass das was unsere Vorfahren vor der Industrialisierung taten und viele Völker überall auf der Welt immer noch tun: viel tragen, viel stillen, Schlafstätte teilen, viel Zeit für Bonding….also genau das, was sensitive, ihrer Intuition folgende Eltern eigentlich immer taten, einfach richtig zu sein scheint.

Mit ausgelöst wird diese Bindungs-Euphorie durch einige neue, empfehlenswerte Werke, die hier auch noch ausführlicher besprochen werden:

Deborah Blum: Die Entdeckung der Mutterliebe. Beltz, 348 Seiten, 24,90 Euro (gibts natürlich auch bei uns im Shop: )
Die amerikanische Journalistin Deborah Blum erzählt in diesem Buch von dem außergewöhnlichen Verhaltensforscher Harry Harlow, der in den 50er Jahren Experimente mit kleinen Babyäffchen und Mutterattrappen aus Stahl machte. Er erlangte aufrüttelnde Erkenntnisse über die Beziehung von Müttern und Kindern. Durch die Ergebnisse seiner Untersuchungen öffnete er völlig ungeplant neue Wege in der frühkindlichen Erziehung.

Was sind nun also die Vorzüge einer sicheren Bindung Eltern-Kind-Bindung? Sie ist für die Ausgeglichenheit, Stressresistenz und Liebesfähigkeit im Erwachsenenalter die entscheidende Grundlage. In einer ganz normalen Frauenzeitschrift beim Zahnarzt fand ich das Zitat von Jean Paul, dem Dichter, der vor 200 Jahren schrieb: “Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten.” (Für Sie, 11/2010, S.60)

Wie erlangt man eine solche sichere Eltern-Kind-Bindung? Diese Frage hat mich zu meinem Idol Sears in die USA geführt, der sich Gedanken dazu machte, wie man eine solch sichere Bindung im Alltag mit Kind heute erreicht. Aus den Überlegung, die er zusammen mit seiner Frau zu diesem Thema machte, entstand die Erziehungsphilosophie, für die sie den Begriff “Attachment Parenting” prägten. Ein Erziehungsstil, der darauf vertraut, der elterlichen Intuition zu folgen, die Zeichen von Babys deuten zu lernen und angemessen auf seine Bedürfnisse zu reagieren. Gerade für die meisten Mütter und Väter heute, die einfach wegen ihren Jobs nicht mehr den ganzen Tag bei ihrem kleinen Kind sein können, ist das für die verbleibende wenige Zeit sehr wichtig und absolut hilfreich. Was in diesem Kontext auch einfach wichtig wird, ist die Nacht, die man super für Bonding und Attachment nutzen kann.

William und Martha haben sieben “Werkzeuge” herausgearbeitet, die zu solch einer sicheren Bindung
beitragen können:

1) Bonding nach der Geburt
2) ausgiebiges Stillen nach Bedarf (ohne Uhr)
3) viel Tragen
4) Schlafstätte teilen (im selben Raum schlafen)
5) Vertrauen darauf, dass Babys nicht ohne Grund weinen, sondern um einem Bedürfnis auszudrücken
6) Skepsis gegenüber “Erziehungsratgebern” im Stile von “Jedes Kind kann Schlafen lernen”
7) Grenzen setzen und eigene Bedürfnisse ernst nehmen

Vgl.: William und Martha Sears: The attachment parenting book: a commonsense guide to understanding and nurturing your baby. Little, Brown and Company, New York, 2001, S. 4ff.

zu kaufen bei uns im Shop (der übrigens nur aus unserer Bindungsleidenschaft heraus entstanden ist):

wie auch viele andere Produkte, die die Eltern-Kind-Bindung stärken helfen


Stillschlangen

Babytragen

Hängewiegen und Anstellbettchen

mehr tolle Ratgeber zum Thema

Ab wann macht ein Tragetuch Sinn? …und warum macht es überhaupt so viel Sinn?

April 21st, 2010

Im Bauch der Mutter während der Schwangerschaft macht das Baby die Erfahrung ständig in Bewegung und umhüllt zu sein. Das vermittelt ihm Sicherheit und das Gefühl der Verbundenheit. Durch das Tragen im Tragetuch schon nach der Geburt haben die Babys die Möglichkeit diese Erfahrung der Geborgenheit fortzusetzen und gleichzeitig das Bedürfnis nach Nähe und Berührung zu stillen. Laut Adolf Portmann ist der Säugling eine physiologische Frühgeburt, der noch viele viele Monate nach der Geburt Zeit und geeignete Umgebung braucht, um zu reifen. So könnte man das Tragetuch wie eine Art Gebärmutter sehen, in der dem Baby genau das geboten wird, was es unter anderem zum Wachsen braucht. Ebenso wird durch das Tragen schon von Anfang an die Beziehung zwischen Eltern und Kind gefördert und gestärkt und die Bindungsfähigkeit genauso wie auch das Urvertrauen verstärkt.

Von Natur aus gehört der menschliche Säugling zu dem Jungentypus Tragling. Das heißt, dass er von Anfang an die Voraussetzungen und das Bedürfnis Getragen zu werden mit sich bringt und bestens an das Getragen werden angepasst ist. Anders ausgedrückt: ein Baby kann getragen werden, sobald du selbst dich in der Lage fühlst das zu tun und du das Tragetuch korrekt bindest.

Generell ist es egal, ob du dein Baby nach der Geburt vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte trägst. Die einzige Einschränkung ist, dass du eine Trageweise wählen solltest, in der der Kopf des Babys gut gestützt wird. Ebenso ist zu beachten, dass das Tragetuch fest gebunden ist und das Baby nicht in sich zusammen sackt, sondern vom Tragetuch gehalten wird. Die noch gerundete Wirbelsäule und die Hüften des Babys werden optimal in der sogenannten Anhock-Spreiz-Haltung unterstützt, d.h. die Beine dürfen nicht nach unten herabhängen und der Po des Kindes sollte knapp tiefer als seine Knie liegen.

Ein Aspekt scheint mir noch wichtig zu sein: je früher man mit dem Tragen anfängt, desto leichter kann das Tragen sein. Durchschnittlich wiegen die Babys bei der Geburt so um die 3500 Gramm. Die Steigerung des Gewichts folgt eher in kleinen Schritten, so dass unserer Rückenmuskulatur genügend Zeit bleibt, um sich dementsprechend anzupassen.

Beitrag von Aira
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Spirituelle Erkenntnis

April 16th, 2010

Ich durfte in den letzten Wochen wieder einmal um eine winzige philosophisch-spirituelle Erkenntnis reifen, die ich sogar liebend gerne mit ein paar grauen Haaren und einer tiefen Falte vergüte: Dankbarkeit hilft bei fast allen negativen Empfindungen. Folgende Situationen haben mich zu dieser Erkenntnis gebracht:

Man streitet sich mit jemandem und ist so richtig wütend und sieht rot? Tief durchatmen und schnell überlegen, für was im Leben man alles dankbar sein könnte: die Wut verfliegt augenblicklich und man kommt sich doof vor auf irgendjemanden böse zu sein.

Oder man stellt fest, dass es einem vor lauter Neid und Eifersucht mal wieder irgendwie schlecht geht. Auch da hilft das besagte Schema sofort und man stellt fest, dass andere durchaus auch Gründe hätten auf einen selbst neidisch zu sein. Und bevor wir alle aufeinander neidisch sind, können wirs ja auch gleich lassen….

Mir wurde berichtet, dass das Gefühl der Dankbarkeit sogar bei leichten Angstattacken hilft, weil solche Gedanken natürlich einfach positiv sind und dann die negativen Angstgefühle überlagern können. Leicht ist diese Übung natürlich nicht.

Aber ihr kennt wahrscheinlich auch dieses Rumgegrübel nachts, das ja anscheinend die meisten Mütter irgendwann entwickeln. Zumindest ist es sowohl bei meiner Mutter als auch bei meiner Schwiegermutter so: man wacht so gegen 4 oder 5 Uhr morgens auf, man spürt, dass der Morgen naht und allein wegen dieser Tatsache ist an weiteren Schlaf nicht mehr zu denken, weil das schon einen latenten Druck verursacht. Dann stellt man vielleicht fest, dass das Kleine schon wieder so viel Wasser und Milchfläschchen nachts genuckelt hat, dass das Pipi zu den Ohren wieder raus kommt und das halbe Bett unter Wasser steht. Natürlich macht man sich dann auch darüber latent Sorgen und hofft, dass es trotzdem noch eine Runde schläft? Dann muss man natürlich wegen des leicht ausgeleierten Beckenbodens noch selbst aufs Klo und dann gehts erst richtig los: dieses besorgte Nachgrübeln darüber, ob das Kind auch in der richtigen Schule ist? Warum die Erzieherin gestern so schnippisch war? Warum wurde mein Kind nicht zum Geburtstag von XY eingeladen? Wird sie sich irgendwann mit 16 wohl nur noch zu Besoffenen ins Auto setzen? Wird sie sich irgendwann mit Wodka ins Koma trinken? Kann es in Berlin Erdbeben geben? Ist Aids eigentlich noch Thema bei den Jugendlichen? Oder warten die jetzt alle bis zur Hochzeit? Wird mein Kind sich mit 14 taufen lassen wollen? Katholisch oder evangelisch? Finde ich das gut? Haben wir in der Nachbarschaft Gartenteiche oder Regentonnen? Ist das für 2 ein halb Jährige auch noch gefährlich oder schon nicht mehr? (glaube schon) Welcher Partei muss man beitreten um alle Straßen in einem Umkreis von 3 km Verkehrs-beruhigen zu lassen? Also, so oder so ähnlich sehen dann die Stunden zwischen 4 und 6:30 aus (um 6:45 klingelt der Wecker!) Wer hat mir eigentlich heute Nacht eine Bratpfanne über den Kopf gehauen?

Um solchem Gegrübel zu entkommen gibt es zwei Tricks: der erste natürlich, ihr ahnt es: Dankbarkeit. Ich bin so dankbar, dass meine Kinder gesund sind, dass wir in Deutschland leben dürfen, wo es ganz wenig Erdbeben gibt und ein Krankenhaus an jeder Ecke, dass ich mich mit meinem Mann recht selten richtig fetze, dass meine einzige Sorge das Entrümpeln ist und nicht das Kaufen, dass unser Auto jedes Mal ganz gut durch den TÜV kam, dass es viele nette Erzieherinnen auf dieser Welt gibt und auch nette Lehrerinnen, man muss sie nur finden, dass ich mir immer wenn ich Hunger habe eine Tüte Tintenfischringe paniert in den Ofen schmeißen kann (da muss irgendwas drin sein, das mein Körper gerade braucht, was kann das sein? E 311?)…diese Liste könnte man jetzt endlos verlängern und darüber wunderbar einschlafen.

Den zweiten Trick habe ich von einem indianischen Medizinmann (Bear Heart) gelernt: Man legt sich flach auf den Rücken, legt die linke ! Hand an die tiefste Stelle der Wirbelsäule  und die rechte an die Wölbung zwischen Nacken und Kopf. So bleibt man einfach liegen bis man einschläft. Es ist frappierend, es funktioniert! Bei mir übrigens auch ganz gut vorne auf dem Bauch. Also die linke Hand auf den unteren Bauch und die rechte auf die Brust. Ihr dürft die Hände aber nicht vertauschen, das regt einen dann nämlich an.

Zu erwähnen bleibt das Mittel der Dankbarkeit jetzt natürlich noch bei der Erziehung. Auch da hilft es nämlich in ganz erstaunlicher Weise. Auch Kinder kommen sich augenblicklich blöd vor, wenn sie daran erinnert werden dankbar zu sein solange sie sich gerade aus Neid und Eifersucht wieder streiten. Es hilft auch wunderbar als Erwiderung bei überzogenen Wünschen und Konsumterror. Eigentlich hilft es bei fast jedem Verbot. “Sei doch dankbar, dass es nicht so ist wie bei der So und So….” Schließlich gibt es Gott sei Dank ja immer noch eine ärmere Sau – in fast jeder Lebenslage – diese Erkenntnis kann einem gar nicht früh genug zuteil werden meine ich.

Welche Pflanzen sind im Garten okay und welche giftig?

März 30th, 2010

….hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass zu meinem kleinen bürgerlichen Glück auch ein Handtuch von Garten gehört? ….und hatte ich dazu auch erwähnt wie glücklich mich dieses kleine Stück Natur erstaunlicherweise macht? Also, ich hätte nie gedacht, dass so ein winziges Stückchen Land einem doch so eine Bodenhaftung geben kann. Scheint ein kleiner Urtrieb zu sein.

Da stellt sich gerade um diese Jahreszeit, in der man wieder verzückt durch die Gartenabteilungen schlendert um viel zu viel Geld auszugeben für Pflanzen, für die man eigentlich gar keinen Platz mehr hat, – um dann von “Erwachsenen” zu hören: “das reißt du alles in ein paar Jahren wieder raus!” – sei´s drum, dann kommt´s halt wieder weg; also, es stellt sich da mit Kindern die Frage: Welche Pflanzen sind denn jetzt wirklich so giftig, dass man lieber auf sie verzichten sollte? Die Hinweise auf den Verpackungen helfen eigentlich nicht mehr weiter, da wir neuerdings amerikanische Zustände haben, denn jeder “Pflanzenhersteller” sichert sich ab mit dem Zusatz “nicht essen” oder so ähnlich.

Ich hatte mir auch noch nie wirklich Sorgen um dieses Thema gemacht, wenn ich in fremden Gärten zu Besuch war. Denn warum in aller Welt sollten sich meine Kinder irgendwelche Beeren oder Blätter einverleiben, wenn sie doch nicht mal am Tisch Obst und Gemüse anrühren? (da wäre ich übrigens für Überredungstipps sehr dankbar! kennt irgend jemand Tricks wie man Kinder dazu bekommt, Gemüse und Obst zu essen?)

Auf der Seite der Uni Bonn habe ich eine tolle Liste aller wirklich bis gering giftigen Pflanzen gefunden: Für mich persönlich habe ich beschlossen, auf die gering giftigen nicht zu verzichten, um dann ein wachsames Auge zu haben. Die als “sehr giftig” eingestuften Pflanzen werde ich wohl meiden,  denn es kommen ja auch mal häufiger andere Kinder zu uns zu Besuch, und wer weiß, vielleicht mögen die ja Obst und Gemüse?

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Giftigkeit
Abendländischer Lebensbaum Thuja occidentalis giftig
Adventsstern Euphorbia pulcherrima gering giftig
Almrausch Rhododendron ssp. giftig
Alpenazalee Azalea floribunda gering giftig
Alpenheide Azalea floribunda gering giftig
Alpenveilchen Cyclamen giftig
Altsitzerkraut Hyoscamus niger sehr giftig
Anthurie Anthurium gering giftig
Aronstab, Gefleckter Arum maculatum giftig bis sehr giftig
Asthmakraut Datura stramonium sehr giftig
Augenblümchen Bellis perennis gering giftig
Azaleen-Arten Azalea floribunda gering giftig
Bärenklau, Riesen- Heracleum mantegazzianum giftig bis sehr giftig
Bärenklau, Wiesen- Heracleum sphondylium gering giftig bis giftig
Baumfreund Monstera deliciosa gering giftig
Beetzaun Buxus sempervirens gering giftig bis giftig
Behaarte Alpenrose Rhododendron ssp. giftig
Beißbeere Daphne mezereum sehr giftig
Berberitze Berberis vulgaris gering giftig
Besenginster Cytisus [Sarothamnus] scoparius gering giftig bis giftig
Besenstrauch Cytisus [Sarothamnus] scoparius gering giftig bis giftig
Bilsenkraut, schwarzes Hyoscyamus niger sehr giftig
Blasenkirsche Physalis alkekengi gering giftig
Blasenstrauch, gelber Colutea arborescens gering giftig
Blauregen Wisteria sinensis giftig
Blutblume Papaver rhoeas gering giftig
Bohnenbaum Laburnum vulgare giftig bis sehr giftig
Bubenstrauch Berberis vulgaris gering giftig
Buchsbaum, immergrüner Buxus sempervirens gering giftig bis giftig
Buntnessel Coleus blumei ungiftig bis gering giftig
Buschwindröschen Anemone nemorosa gering giftig
Butterblume Taraxacum officiale gering giftig
Butterblume Ranunculus acris gering giftig
Chinaflor Wisteria sinensis giftig
Christdorn Ilex aquifolium gering giftig
Christrose Helleborus niger sehr giftig
Christstern Euphorbia pulcherrima gering giftig
Christuspalme Ricinus communis sehr giftig
Croton-Pflanze Codiaeum variegatum gering giftig
Dickblatt-Arten Crassula arborescens ungiftig bis gering giftig
Dirlitze Cornus mas ungiftig
Donnerbesen Viscum album gering giftig
Drudenfuß Viscum album gering giftig
Eberesche Sorbus aucuparia gering giftig
Echter Sturmhut Aconitum napellus sehr giftig
Edelwicke Lathyrus odoratus gering giftig
Efeu, Gemeiner Hedera helix gering giftig bis giftig
Eibe Taxus baccata giftig – sehr giftig
Eibisch Hibiscus ungiftig
Eicheln Quercus robur gering giftig bis giftig
Eifelgold Cytisus [Sarothamnus] scoparius gering giftig bis giftig
Eisenhut, Blauer Aconitum napellus sehr giftig
Engelstrompete Brugmansia-Arten sehr giftig
Erdapfel Solanum tuberosum giftig
Essigbaum Rhus typhina gering giftig
Falsche Akazie Robinia pseudoacacia giftig
Falscher Narzissus Narcissus pseudonarcissus gering giftig bis giftig
Farne, allgemein z.B. Platycerium gering giftig
Faulbaum Rhamnus frangula giftig
Feigenbaum Ficus elastica gering giftig
Feldmohn Papaver rhoeas gering giftig
Felsenbirne Amelanchier ovalis gering giftig
Felsenmispel Amelanchier ovalis gering giftig
Felsenröschen Azalea floribunda gering giftig
Fensterblatt Monstera deliciosa gering giftig
Fetthenne Crassula arborescens ungiftig bis gering giftig
Feuerdorn Pyracantha coccinea ungiftig
Fingerhut, Roter Digitalis purpurea giftig bis sehr giftig
Flamingoblume Anthurium gering giftig
Flammendes Käthchen Kalanchoë blossfeldiana ungiftig
Forsythie Forsythia suspensa gering giftig
Frauenhaarfarn Adiantum gering giftig
Friedhofsbaum Thuja occidentalis giftig
Frühjahrs-Krokus Crocus albiflorus gering giftig
Fuchsie Fuchsia ungiftig
Gänseblümchen Bellis perennis gering giftig
Garten-Spargel Asparagus officinalis gering giftig
Gartenbohne Phaseolus vulgaris sehr giftig
Gartenwicke Lathyrus odoratus gering giftig
Gelbe Narzisse Narcissus pseudonarcissus gering giftig bis giftig
Gemeine Heckenkirsche Lonicera xylosteum gering giftig bis giftig
gemeine Kuhblume Taraxacum officiale gering giftig
Gemeines Geißblatt Lonicera gering giftig bis giftig
Geweihfarn Platycerium gering giftig
Giftmilch Euphorbia cyparissias giftig
Giftsumach Toxicodendron radicans sehr giftig
Gloxinie Sinningia ungiftig
Glycine Wisteria sinensis giftig
Glycinie Wisteria sinensis giftig
Goldglöckchen Forsythia suspensa gering giftig
Goldregen, Gemeiner Laburnum vulgare giftig bis sehr giftig
Grabkraut Buxus sempervirens gering giftig bis giftig
Grüne Bohne Phaseolus vulgaris sehr giftig
Grünlilie Chlorophytum comosum ungiftig
Grumbeere Solanum tuberosum giftig
Gummibaumarten Ficus gering giftig
Hagebutten Rosa canina L. ungiftig
Hahnenfuß, Scharfer Ranunculus acris gering giftig
Hartriegel, roter Cornus sanguinea gering giftig
Hecken-Thuja Thuja occidentalis giftig
Heckenkirsche, Rote Lonicera xylosteum gering giftig bis giftig
Heckenkirsche, Schwarze Lonicera nigra gering giftig bis giftig
Herbstzeitlose, gemeine Colchicum autumnale sehr giftig
Herkuleskraut Heracleum mantegazzianum giftig bis sehr giftig
Herkulesstaude Heracleum mantegazzianum giftig bis sehr giftig
Hexenbesen Viscum album gering giftig
Hibiskus-Arten Hibiscus ungiftig
Hirschkolben-Sumach Rhus typhina gering giftig
Hornstrauch Cornus sanguinea gering giftig
Hundskirsche Lonicera gering giftig bis giftig
Hundsrose Rosa canina L. ungiftig
Hyazinthe Hyacinthus orientalis gering giftig
Judenkirsche Physalis alkekengi gering giftig
Jungfernrosmarin Juniperus sabina giftig
Kartoffel Solanum tuberosum giftig
Kastanie Aesculus hippocastanum gering giftig
Kellerhals Daphne mezereum sehr giftig
Kermesbeere Phytolacca americana gering giftig – giftig
Kirschlorbeer Prunus laurocerasus giftig
Klatschmohn Papaver rhoeas gering giftig
Kleebaum Laburnum vulgare giftig bis sehr giftig
Klivie Clivia nobilis gering giftig
Korallenbäumchen Solanum pseudocapsicum giftig
Korallenkirsche Solanum pseudocapsicum giftig
Korallenstrauch Solanum pseudocapsicum giftig
Kornelkirsche Cornus mas ungiftig
Kornrose Papaver rhoeas gering giftig
Kranewitterbeere Juniperus communis gering giftig
Krokus-Arten Crocus albiflorus gering giftig
Lampionblume Physalis alkekengi gering giftig
Lebensbaum Thuja occidentalis giftig
Leim-Mistel Viscum album gering giftig
Liguster, Gemeiner Ligustrum vulgare gering giftig
Löwenzahn Taraxacum officinale gering giftig
Lorbeerkirsche Prunus laurocerasus giftig
Lupine, Gelbe und Blaue Lupinus polyphyllos giftig
Machandelbeere Juniperus communis gering giftig
Mägdebaum Juniperus sabina giftig
Mahonie Mahonia aquifolium gering giftig
Maiglöckchen Convallaria majalis gering giftig – giftig
Maßliebchen Bellis perennis gering giftig
Mistel Viscum album gering giftig
Nachtschatten, Bittersüßer Solanum dulcamara gering giftig – giftig
Nachtschatten, Schwarzer Solanum nigrum gering giftig – giftig
Oleander Nerium oleander giftig
Osterglocke Narcissus pseudonarcissus gering giftig bis giftig
Pfaffenhütchen Euonymus europaeus giftig
Pfaffenkäpplein Euonymus europaeus giftig
Pfeilwurz Maranta ungiftig
Pfennigbaum Crassula arborescens ungiftig bis gering giftig
Poinsettie Euphorbia pulcherrima gering giftig
Pulverholz Rhamnus frangula giftig
Pusteblume Taraxacum officiale gering giftig
Rainweide Ligustrum vulgare gering giftig
Rhododendron Rhododendron ssp. giftig
Riemenblatt Clivia nobilis gering giftig
Rizinus Ricinus communis sehr giftig
Robinie Robinia pseudoacacia giftig
Rosenbaum Rhododendron ssp. giftig
Rosenlorbeer Nerium oleander giftig
Roßkastanie Aesculus hippocastanum gering giftig
Rostrote Alpenrose Rhododendron ssp. giftig
Russenkraut Heracleum mantegazzianum giftig bis sehr giftig
Sadebaum Juniperus sabina giftig
Safran-Krokus Crocus albiflorus gering giftig
Sanddorn Hippophae rhamnoides ungiftig
Sauerdorn Berberis vulgaris gering giftig
Saumfarn Pteris gering giftig
Scheinakazie Robinia pseudoacacia giftig
Schlehe Prunus spinosa ungiftig
Schneeball, Gemeiner Viburnum opulus gering giftig
Schneeball, Wolliger Viburnum lantana gering giftig
Schneebeere Symphoricarpos albus gering giftig
Schneeglöckchen Galanthus nivalis gering giftig
Schusterholz Rhamnus frangula giftig
Schwarzdorn Prunus spinosa ungiftig
Schwertfarn Nephrolepis gering giftig
Seidelbast Daphne mezereum sehr giftig
Sevenbaum Juniperus sabina giftig
Spargel Asparagus officinalis gering giftig
Spießdorn Berberis vulgaris gering giftig
Spillbaum Euonymus europaeus giftig
Spindelstrauch Euonymus europaeus giftig
Stechapfel Datura stramonium sehr giftig
Stechhülse Ilex aquifolium gering giftig
Stechpalme Ilex aquifolium gering giftig
Stiel- oder Sommereiche Quercus robur gering giftig bis giftig
Stinkwacholder Juniperus sabina giftig
Streifenfarn Asplenium gering giftig
Sumpfgift Cicuta virosa sehr giftig
Tabak, Virginischer Nicotiana tabacum sehr giftig
Tintenbeere Ligustrum vulgare gering giftig
Tollkirsche Atropa belladonna sehr giftig
Tollkraut Hyoscamus niger sehr giftig
Traubenholunder Sambucus racemosa gering giftig
Trommelschlägel Arum maculatum giftig bis sehr giftig
Tulpe Tulipa gesneriana giftig
Usambaraveilchen Saintpaulia ungiftig
Vogelbeerbaum Sorbus aucuparia gering giftig
Wacholder Juniperus communis gering giftig
Warzenkraut Euphorbia cyparissias giftig
Wasserschierling Cicuta virosa sehr giftig
Weihnachtsstern Euphorbia pulcherrima gering giftig
weiße Robinie Robinia pseudoacacia giftig
Wiesenrhabarber Heracleum sphondylium gering giftig bis giftig
Wiesenschlüsselblume Primula veris gering giftig
Wohlriechende Platterbse Lathyrus odoratus gering giftig
Wolfsmilch, Zypressen- Euphorbia cyparissias giftig
Wüterich Cicuta virosa sehr giftig
Wunderbaum Ricinus communis sehr giftig
Wunderstrauch Codiaeum variegatum gering giftig
Zamioculcas Zamioculcas zamiifolia giftig
Zaun-Thuja Thuja occidentalis giftig
Zaunrübe, Rotbeerige Bryonia dioica giftig
Zehwurz Arum maculatum giftig bis sehr giftig
Zimmerfarne z.B. Platycerium gering giftig
Zimmerkalla Zantedeschia aethiopica gering
Zwergholunder Sambucus ebulus gering giftig
Zwergmispel Cotoneaster-Arten gering giftig

Veränderung meiner Befindlichkeit als Mutter

März 29th, 2010

Irgendwie findet gerade eine sehr befreiende Veränderung meiner Befindlichkeit als Mutter statt: ich erlaube mir endlich, Mutter zu sein und leicht zu verspießen – und das ist so schön und tut so wohl! Ich weiß gar nicht, wodurch das alles genau ausgelöst wurde? Vielleicht doch durch meinen Umzug von Kreuzberg nach Suburbia und das Beobachten anderer Mütter mit diesem Lebensstil?

Ich erlaube mir endlich mehr und mehr einfach nur Mutter zu sein und die Tatsache zu akzeptieren, dass für mich persönlich als Mutter von Dreien mehr als vier Stunden konzentrierter Job am Tag einfach nicht zu schaffen sind. Ich habe mich dieser Tatsache nie wirklich stellen wollen und immer noch so getan, als ob ich eigentlich dieselben Pläne weiterverfolge wie vor meinem ersten Kind. (die da lauteten: auf gar keinen Fall so werden wie meine eigene Mutter, einen tollen Job haben, unabhängig sein, entspannt und frei sein, kreativ sein, sportlich sein und immer viel ausgehen und reisen…..)Irgendwie finde ich die Medien und die ganze Gesellschaft suggerieren auch so eine komische Kontinuität, die gar nicht wirklich existiert. Das Motto lautet: Du arbeitest während der Schwangerschaft einfach topfit weiter und auch schon mal was vor, dann bleibst du 4 – 12 Wochen mit deinem Kind zu Hause und steigst dann wieder voll in den Job ein (vielleicht nimmt dein Mann für den reibungsloseren Übergang noch mal kurz Elternzeit….?) als wär nix gewesen. In Berlin sitzt man dieser Illusion besonders stark auf, weil es ja ach so tolle Betreuungsangebote gibt und das Kind auch mal bis 19 Uhr abends bei der Tagesmutter sein darf.

Manchmal bin ich richtig wütend auf diese Illusion der Kontinuität, die mir so viel Druck verursacht und meine Akkus entleert. Kinder sind ständig krank und bockig, gute Kitas und Tagesmütter findet man nicht mal so eben. Und ein Wocheneinkauf für eine ganze Familie dauert mehr oder weniger einen ganzen Nachmittag! Trotzdem tu ich vor meiner Freundin, die kein Kind hat, auch so als sei nichts passiert und sage: klar können wir einen Kaffee im Friedrichshain trinken wie früher. Ich bin ja auch eigentlich die Alte! Aber wenn ich ehrlich bin, es stresst mich total die Alte sein zu müssen. Lasst mich doch einfach in Ruhe verspießen und verfetten, ich bin so müde!

Ganz meinem Gefühl entsprechend, habe ich auch neulich eine Erhebung gesehen: die zufriedensten Frauen heutzutage sind die, die vier Stunden am Tag einem wenig anspruchsvollen Job (andere gibt es ja für 4 Stunden auch gar nicht) nachgehen dürfen, nur so fürs Ego und für ein kleines Taschengeld und damit sie nicht vereinsamen….und dann Zeit und Muse haben für ihre Kinder. Kinder nebenher schmeißen zu müssen macht völlig unzufrieden, wie ich feststellen musste. Nur mit Kindern zu Hause zu sein aber auch. Ich habe beschlossen mit meinem kleinen Job am Morgen zufrieden zu sein und mir die nächsten paar Jahre das einfach Mutter-Sein-dürfen zu erlauben. Muss mich nur noch wappnen für den nächsten Fall der Angstfrage: “…und, was machst du sonst so?”

Wie werden Babys in anderen Kulturen schlafen gelegt?

März 25th, 2010

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, das mir viel Spaß gemacht hat. Es sind ganz tolle Bilder drin und es gibt viele höchst interessante Dinge darin zu lesen:

Béatrice Fontanel und Claire d´Harcourt: Babys in den Kulturen der Welt, Gerstenberg, Hildesheim 2007.

Die ethnologische Sicht auf Babys ist einfach spannend, weil sie einen gewissermaßen immer an die eigenen historischen Wurzeln zurückführt und einem vor Augen führt, welche Dinge einfach gut funktionieren – und das überall auf der Welt.

In erster Linie interessiert mich momentan natürlich wieder das Thema “Babys Schlaf”. Was gibt es da also zu lernen?

Interessant war für mich, mir klar zu machen, welche Erziehungsprämisse wir eigentlich in unserer westlichen Welt im Gegensatz zu anderen Kulturen haben. Bei uns scheint die Erziehung zu möglichst früher Selbständigkeit im Vordergrund zu stehen, während in anderen Kulturen die Förderung der Solidarität oder das Teilen oberste Priorität haben, je nachdem was in dieser Gesellschaft gerade wichtig ist. (Vgl.  S. 8 )

Der Wunsch nach einem selbständigen Kind hat sicher auch unsere Haltung zum Schlaf des Babys geprägt. Ein Baby soll möglichst schnell “lernen” zu schlafen, was ziemlicher Blödsinn ist, weil ein Kind erst sehr viel später wirklich “lernen” kann. Mit den üblichen Schlaftrainings wird so ein kleines Baby eher konditioniert. …und Kinder sollen bei uns ja tatsächlich alles immer möglichst schnell alleine tun. Macht ein Kind etwas allein und selbständig, dann ist es irgendwie lieb und gut. Oft wird Kindern bei uns aber dadurch einfach nicht genug Zeit gelassen sich ihrem Tempo gemäß zu entwickeln, wie ich finde.

Die westlichen Ärzte waren schon Anfang des 20. Jahrhunderts überzeugt, dass “das In-den-Schlaf-Wiegen wie manches andere auch die Eltern zu Sklaven ihrer eigenen Kinder mache.” (ebd. S. 12) Der französische Kinderarzt Adolph Pinard sagte daher: “Die beste Wiege ist diejenige, die nicht wiegt.” (Ebd., S. 13)

Das Wiegen scheint aber einfach irre gut zu funktionieren, denn es ist wirklich auf der ganzen Welt bei der Kindererziehung zu finden: “Ein Volk von Fischern auf einer Insel im Chinesischen Meer etwa hat ein System von Stöcken erfunden, mit dessen Hilfe die Betten der Kinder so bewegt werden können wie die Boote auf dem Meer schaukeln. Auf Sumatra dagegen nutzt man eine an der Decke befestigte Vorrichtung, um das in Stoff eingewickelte Baby in ein beständiges Auf und Ab zu versetzen.”(ebd., S. 13)

Es findet sich hier eine Beschreibung wie die Kinder in Afghanistan schlafen gelegt werden: das Baby wird auf die Beine der Mutter gelegt und dort wird es dann von einer Seite auf die andere gewiegt bis es schläft. Dann wird es in eine Wiege neben dem Bett gelegt, denn es darf während der ersten Jahre nie alleine gelassen werden, weil sonst böse Geister kommen könnten um es zu überfallen. “Damit es gut schläft, gibt die Mutter etwas Erde in seine kleine Hand, und damit es keine Angst bekommt, legt sie ihm ein Stück Brot oder einen Zettel mit einem Gebet auf die Brust.”(ebd., S. 178) Die Babys haben in der Wiege übrigens keine Windel an, sondern es wird ihnen ein Holzröhrchen zwischen die Beine gelegt und dann werden sie fest in Tücher gewickelt, damit das Röhrchen nicht wegrutschen kann. Durch dieses Röhrchen wird das Pipi dann durch ein Loch in der Wiege in eine Schüssel geleitet. Manchmal sind diese Rohre auch nicht aus Holz, sondern einfach aus Fahrradschlauch.(Vgl. ebd., S. 178)

In allen Kulturen ist es den Eltern sehr wichtig, dass das Kind ohne zu weinen einschläft. Oft war das einfach lebensnotwendig, damit Wild nicht verscheucht oder Feinde angelockt wurden. In vielen Teilen der Welt glaubt man wohl auch, dass Babygeschrei Dämonen anlockt. (Vgl. ebd., S. 182)

Entsprechend der Auffassung aller Ärzte in der westlichen Welt werden auch in anderen Kulturen Säuglinge fast immer auf den Rücken gelegt zum Schlafen. In Indonesien dürfen Babys allerdings nicht ganz ausgestreckt liegen, weil das nur die Stellung von Toten ist. Deshalb dürfen Mütter die ersten vierzig Tage nach einer Geburt auch nur im Sitzen schlafen und bei Kranken ist es auch so. Anscheinend dachten die Menschen sogar in Europa so und schliefen auch halb sitzend.(Vgl. ebd., S. 193)

Ich habe beim Lesen dieses Buches auch gelernt, dass die meisten Babys nicht in einer leisen Umgebung schlafen wie bei uns. Vor allem in Afrika wird wohl um schlafende Kinder herum ruhig gelärmt und auch auch die Schlaflieder werden sehr laut gesungen. In vielen Ländern werden Kinder nicht nur zum Einschlafen gewiegt, sondern auch um sie zu beruhigen oder ihnen etwas Gutes zu tun, und sie in “den Zustand ruhiger Aufmerksamkeit” zu versetzen.(Vgl. ebd., S. 196)

Außerdem teilt man sich fast überall auf der Welt die Schlafstätte.

Wie schläft mein Baby besser durch?

März 23rd, 2010

Man sollte immer darauf achten, dass das Kind tagsüber wirklich genug gegessen hat und ruhig alle drei Stunden mindestens stillen. Manchmal vergessen etwas ältere Kinder auch einfach zu essen, wenn viel los ist oder sie gerade ein tolles Spielprojekt haben.

Sears sagt wie viele andere auch, dass man Babys während der ersten paar Monate auf dem Rücken schlafen legen soll. Manchmal fällt das schwer, weil viele Babys auf dem Bauch einfach besser zu schlafen scheinen. Es ist aber wohl tatsächlich sicherer auf dem Rücken. (Vgl, Baby Book, S. 322 und S. 641)

Experimentiert mal mit unterschiedlichen Kleidungsstücken. Ich habe selbst erlebt, dass das einen Unterschied machen kann. Unsere Erste zum Beispiel hasste Schlafsäcke. Alles musste Beine haben und Decken waren doof. Daher haben wir ihr noch einen warmen Schlafanzug über ihren eigentlichen Schlafanzug drüber gezogen – als Deckenersatz. Das hat gut funktioniert. Manche Kinder mögen auch nichts Wollenes. Oder es ist ihnen schlichtweg zu heiß oder zu kalt. Da hilft nur ein ausgereifter elterlicher Instinkt und Rumprobieren. Auf jeden Fall aber für warme Füße sorgen. Deren den Schlaf fördernde Wirkung ist bewiesen! (übrigens habe ich von einer Studie der Uni Edinburgh gelesen, bei der herausgefunden wurde, dass kalte Füße sehr wohl Erkältungen begünstigen – warme Füße sind also sowieso immer gut!)

Erneutes Wippen, Schaukeln, Tätscheln: nach einer halben Stunde Schlaf gehen Babys über in die Phase des leichten Schlafes. In dieser Phase brauchen viele die Einschlafhilfe, die sie auch bekamen, um überhaupt ein zu schlafen. Manchmal hilft dann einfach Körperkontakt. Sehr nützlich ist dann aber meist eine Wiege, Hängematte, Wippe oder auch ein Kinderwagen. Dann kann man noch mal kurz etwas schaukeln, wippen, rütteln. Egal was ihr tut, es sollte mit einem Rhythmus von etwa 60 Schlägen pro Minute passieren, denn das erinnert das Baby dann an euren Herzschlag im Bauch.

Hand-Auflegen: das klingt jetzt sehr esoterisch, ist es aber gar nicht. Sears empfiehlt, die eine Hand noch kurz auf den Hinterkopf eures Babys zu legen während ihr mit der Anderen den Rücken noch etwas wärmt. Es mag auch den Schlaf fördern, wenn ihr den Rücken wieder mit den berühmten 60 Schlägen pro Minute tätschelt. In jedem Fall sollten die Hände dann ganz, ganz langsam weggenommen werden. (Vgl. Baby Book, S. 322)

Irgendein Utensil von sich zurück lassen: das kann ein altes T-Shirt sein, am besten mit etwas Milch dran oder ein olles Schnuffeltuch. Irgendetwas eben, das nach euch riecht.

Falls euer Kind euch mit endlosem Genuckel malträtiert und einfach nicht von eurer Brust weg will und sofort aufwacht, wenn ihr versucht sie weg zu ziehen: da hilft unserer Erfahrung nach Papa am besten oder irgend jemand eben, der nicht nach Milch riecht. Am besten dann kurz bei jemand anderem ins Tragetuch und dann wird das akzeptiert.

Für Kinder, die Lärm-empfindlich sind (unsere sind es nicht): Telefon ausschalten, Hund aussperren, Türklingel auch ausstellen?

Was hilft Babys beim Ein- und Durchschlafen?

März 19th, 2010

Es gibt einige wertvolle Hilfsmittel, die man am besten überall im Haus verstreut, um sie dann phasenweise und situationsabhängig einsetzen zu können:

1) Hüpfball: dieses Allheilmittel aller Hebammen hat auch uns wunderbare Dienst erwiesen. Besonders während der ersten paar Monate, wenn euer Babys abends vielleicht ein paar Stunden lang unruhig ist und aus unerfindlichen Gründen schreit, wirkt das Hüpfen auf so einem Ball Wunder und kann durchaus auch mal ein bisschen wilder ausfallen.

2) Hängewiegen: irgendeine Form von aufhängbarem und schaukelndem Gerät ist zu empfehlen. Wir favorisieren besonders solche Wiegen oder Hängematten, die man überall hin mitnehmen kann. In unserem Shop haben wir daher eine Baby-Hängematte, die man mit einer Klammmawok_doorer sicher und bequem in jeden Türrahmen hängen kann.

Es gibt auch eine kleine Hängematte für Babys mit einem kleinen, zusammenklappbaren Gestell. Die kann man natürlich auch bequem überallhin mitnehmen. Sie schaukelt allerdings dann nur seitlich, was unserer Erfahrung nach gar nicht alle Babys mögen. Daher favorisieren wir etwas, das von der Decke oder eben vom Türrahmen baumelt.

Wer etwas mehr ausgeben möchte und ein wirklich sinnvolles, schönes und gut funktionierendes erstes Bettchen kaufen möchte, dem empfehle ich wärmstens die Hängewiege von Mawok. Sie ist von einer schwedischen Designerin und echten Baby-Schlafexpertin entworfen und wurde auch vom schwedischen TÜV geprüft. Das Tolle an dieser Wiege ist einmal, dass man sie auch überall hin mitnehmen kann, denn sie lässt sich dank eines tollen, ausgeklügelten Patents ebenfalls in jeden Türrahmen hängen. Falls das nicht notwendig ist, kann man sie aber auch fest an der Wand installieren. Zusätzlich Schlaf-fördernd wirkt eine Wippmechanismus, denn die Aufhängung beinhaltet eine Feder. Babys lieben dieses Wippen in Verbindung mit Schaukeln und schlafen damit super. Und dann ist die Wiege noch aus weichem Stoff und gibt eurem Baby daher ein Gefühl von Geborgenheit und Gehaltenwerden. Nicht zu vergessen ist hier auch noch der ästhetische Aspekt, denn diese Wiege ist echt schick und hat nix Angestaubtes!

3) Unschlagbar um Säuglinge zum Schlafen zu bringen ist natürlich der uralte Trick des “In-den-Schlaf-Stillens”. Weil zumindest die ersten paar Monate so bombig funktioniert empfiehlt sich irgendeine Art von Anbau am eigenen Bett. Wir haben damals einfach eine Seite eines Gulliver-Bettchens von Ikea abgemacht, mit 4 neuen Bohrlöchern auf der Höhe unserer Matratze versehen und so die Höhen des  Gulliver-Lattenrosts an unsere Betthöhe angepasst (inzwischen gibt es ein Bettchen mit nur drei Seiten). Dann haben wir das Gulliver an unserem Bett festgemacht und eine Decke in den Übergang gestopft. So hatten wir ein super schönes, billiges Anstellbettchen. Es gibt solche Betten natürlich auch fertig, aber wir haben noch keine Schönen gefunden (für Tipps hierzu wären wir euch dankbar!). Mit so einem Anstellbett fühlt man sich mit dem Baby nebenan sicher und man muss zum Stillen nicht aufstehen. Das Baby muss so gar nicht erst aufwachen und seinen Hunger laut kundtun, sondern man merkt als Mutter meist schon an einem sachten Arme-Rudern oder leisen Gluckslauten, dass das nächste Stillen angesagt ist. Männer wachen dann im Idealfall morgens auf und behaupten, das Baby hätte durch geschlafen…. So ein Szenario wäre dann natürlich Attachment Parenting in seiner Reinstform, und Sears wäre begeistert!

4) Tragehilfen: Becodas ist natürlich an dieser Stelle auch ein Muss. Wir empfehlen für ganz kleine Säuglinge ein einfaches kurzes Tragetuch, in dem das Baby in der Wiege vor dem Bauch getragen werden kann. Unsere Kinder mochten die ersten 4 oder 5 Wochen noch nicht aufrecht in einer Trage sitzen. Recht schnell kann man dann aber zu einer der tollen, neuen Tragehilfen übergehen: wir empfehlen für designbewusste Leute ohne Geldsorgen die Beco. Die sieht toll aus und ist sehr gut von der anatomischen Sitzhaltung (Beine müssen in 90 Grad-Winkeln abgespreizt sein!). Daher finden wir den Baby-Björn gar nicht so empfehlenswert und bieten ihn bei uns auch nicht an.

Für qualitätsbewusste Tragende ist auch die Manduca sehr zu empfehlen und auch der BabyErgo-Carrier ist super und wir waren sehr, sehr zufrieden mit dieser Tragehilfe.

Wenn man sich nicht dagegen wehrt und einfach akzeptiert, dass Babys wunderbar schlafen, wenn sie getragen werden, kann man den Alltag unglaublich erleichtern: bei ersten Müdigkeitsanzeichen ab in die Trage, dann auf das “Limb-Limb Sign” (bewegungslose Miene und widerstandslos-herunterfallende Gliedmaßen) und Baby samt Trage ablegen. Noch eine Optimierung wäre ein Ablegen in einer Hängematte, einer Wiege oder einem Kinderwagen, denn dann könnt ihr euer Baby über die REM-Phasen nach einer halben Stunde mit einem Schaukeln oder Wippen unter Umständen herüberretten.

“Schreien lassen”?!

März 17th, 2010

Da schreib ich gestern noch selbstgefällig darüber, wie gewinnbringend es doch ist, Kinder liebevoll und ohne Tränen schlafen zu legen, und dann komme ich in dieser Nacht an meine Grenzen. Sanft wurde ich mal wieder darauf hingewiesen, dass Selbstgefälligkeit eine Charaktereigenschaft ist, die Eltern besonders schlecht zu Gesicht steht. Was mir andererseits wiederum bewusst macht, dass Kinder einem immer wieder die Gelegenheit geben, den eigenen Charakter zu vervollkommnen, was doch wirklich toll ist….

Wegen letzter Nacht bin ich aber sehr verzweifelt und hasse mich für mein Verhalten. Nachdem ich von 9 bis 12 Uhr nachts versucht habe, die Kleine (2 und halb) endlich zum Schlafen zu bringen und von Tragen, Fläschchen bis zu einer Dosis Verzweiflungs-Ibuprofen alle meine Geheimwaffen schon durch hatte – ohne jegliche Aussicht auf Erfolg…. Zu allem Überfluss war ich mal wieder allein, weil mein Freund eine wahnsinnig wichtige Sache auf der Arbeit fertig bekommen musste.

Nachdem meine Tochter also zum mindestens 15. Mal wach wurde und geschrien hat, fühlte ich die Verzweiflung und eine gehörige Portion Wut in mir aufsteigen. Ich wurde auf einmal so schrecklich aggressiv und mein Verstand wurde von ganz furchtbaren Gewaltphantasien heimgesucht. Da war guter Rat teuer und aus lauter Angst vor mir selbst bin ich einfach aus dem Zimmer raus, habe die Tür zugeschlagen und sie schreien lassen. 10 Minuten später (vielleicht waren´s auch nur 5, aber gefühlt mindestens 20) war Ruhe und ich saß völlig apathisch und depressiv auf dem Sofa, bis mein Freund um 12 zur Tür rein kam. Auf die Frage “Was ist denn?” hatte ich einfach keine Lust zu antworten. Mich hat die Diskrepanz zwischen der banalen Belanglosigkeit meines alltäglichen Rödelns und der enormen Verantwortung für so ein Kind einfach mundtot gemacht. Was soll ich denn da erzählen? Sie hat drei Stunden geweint und dann konnte ich nicht mehr? Nicht mal das kriege ich ordentlich auf die Reihe?

Was soll ich denn überhaupt jeden Tag erzählen? Dass ich das eine Kind zu Fuß in die Kita und das andere mit dem Auto in die Schule gebracht habe? Dass ich auf dem Weg noch kurz fünf Liter Milch gekauft habe? Dass ich drei Tobsuchtsanfälle aus Eifersucht niedergekämpft habe und damit ungefähr zwei Stunden des Tages zugebracht habe? Als Mutter und Hausfrau hat man nach einiger Zeit irgendwie gar nichts mehr zu erzählen. Dann reden wir eben nur noch über ihn und irgendwelche Skandal-trächtigen Vorfälle auf Arbeit…

Jetzt fühle ich mich heute so einsam und nutzlos. Meine Tochter hat mich beim Verabschieden in der Kita keines Blickes gewürdigt. Sie ist sauer. Wie kann das sein? Den ganzen Tag Geschrei und Kümmern und trotzdem bin ich der einsamste Mensch der Welt? Manchmal sehne ich mich direkt nach dem Modell Großfamilie. Dann würde ich in einem Krisenmoment wie gestern einfach alles der Oma übergeben und mal ins Kino gehen. Und babysitten würden die großen Cousinen meiner Kinder, natürlich für ein Umsonst. Irgendwelche verbotenen, unanständigen Dinge, die ich vor der älteren Generation verstecken möchte, gibt es in meinem Leben sowieso nicht mehr. Ich glaube meine Eltern sind mittlerweile cooler als ich? Naja, jetzt hab ich mal gehörig gejammert. Morgen ist ein neuer Tag und das Wetter wird bald besser? Machts gut!